Wie war die Luftqualität 2017 in Deutschland? Wie war die Luftqualität 2017 in Deutschland? - wissenschaft.de
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Wie war die Luftqualität 2017 in Deutschland?

Wie war die Luftqualität 2017 in Deutschland?

So würden wir uns das wünschen - bedenkenlos durchatmen zu können. (Foto: Antonioguillem/fotolia.com)
In der Luft hängt bekanntlich so einiges, was uns nicht gut tut: Wie hoch die Belastungen mit Stickstoffdioxid, Feinstaub und Ozon im vergangenen Jahr waren und welcher Trend sich abzeichnet, zeigt nun eine Datenauswertung des Umweltbundesamtes (UBA).

Was die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid betrifft, scheint die Entwicklung immerhin in die richtige Richtung zu gehen, berichtet das UBA: Die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid ist 2017 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Im Jahresmittel hat sich die Konzentration an verkehrsnahen Messstationen um zirka zwei Mikrogramm pro Kubikmeter verringert. Die Zahl der Kommunen mit Grenzwertüberschreitungen ist im vergangenen Jahr zudem von 90 auf 70 geschrumpft.

Das UBA wertet dies als Indiz für die Wirkung der durch die Dieseldebatte angestoßenen Maßnahmen und Entwicklungen. Beispielsweise wurden örtlich Tempolimits eingeführt und der Verkehr reduziert sowie öffentliche Transportmittel gefördert. Außerdem haben die Software-Updates bei den Fahrzeugen den Stickstoffdioxid-Ausstoß leicht gesenkt und es gibt schlicht auch immer weniger Dieselfahrzeuge: Bei den Neuzulassungen stieg der Anteil benzinbetriebenen PKW um über elf Prozent gegenüber 2016, Diesel verlieren über 15 Prozent.

Kein Aufatmen bei der Stickstoffdioxid-Belastung angesagt

Grund zum Aufatmen gibt es aber dennoch nicht wirklich: Die Belastung mit Stickstoffdioxid überschritt 2017 an rund 46 Prozent der verkehrsnahen Messstationen immer noch den Grenzwert von 40 µg/m³ im Jahresmittel – teilweise sogar deutlich. „Viele Menschen sind weiterhin zu viel gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid ausgesetzt“, sagt UBA Präsidentin Maria Krautzberger. „Wie vom Umweltbundesamt im Sommer 2017 geschätzt, werden die Maßnahmen des Diesel-Gipfels mit Software-Updates und Umtauschprämien nicht ausreichen, um die Luft in den Städten so zu verbessern, dass die Grenzwerte überall eingehalten werden. Wir brauchen dringend die Hardware-Nachrüstung der Autos und der leichten Nutzfahrzeuge. Nur so können wir die Gesundheitsbelastungen durch Stickstoffoxide schnell und vor allem dauerhaft senken“, meint Krautzberger.

Was den Feinstaub betrifft, gab es im Jahr 2017 ebenfalls eine leichte Verbesserung: Die Belastung war im Gegensatz zum Zeitraum 2005 bis 2016 geringer, geht aus der Jahresauswertung hervor. Neben Verbrennungsprozessen entstehen die schädlichen Partikel auch durch den Abrieb von Bremsscheiben, Kupplungen und Reifen. Dem UBA zufolge lagen die vergleichsweise geringen Werte im Jahr 2017 allerdings teilweise am Wetter: Außer zu Beginn des Jahres blieben besonders feinstaubbegünstigende Wetterlagen aus.

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Feinstaub und Ozon

Von unbedenklichen Werten kann beim Feinstaub im vergangenen Jahr jedoch auch nicht die Rede sein. An 87 Prozent der Messstationen in Deutschland überschritten die Belastungen eine kritische Grenze: Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollten die Werte an höchstens drei Tagen pro Jahr über 50 µg/m³ liegen. Deshalb seien weitere Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen nötig, um das Gesundheitsrisiko durch Feinstaub zu verringern. Dabei sollte das Augenmerk auch auf den nicht-verbrennungsbedingten Partikelemissionen liegen, betont das UBA.

Die Daten zur Belastung durch bodennahes Ozon bescheinigen 2017 ebenfalls etwas bessere Werte: Die Konzentrationen waren im Vergleich zu den letzten 20 Jahren niedriger. Dennoch kam es an 17 Prozent aller Messstationen zu Zielwert-Überschreitungen, berichtet das UBA. Es gilt die Regel: Gemittelt über drei Jahre sollte an höchstens 25 Tagen pro Kalenderjahr der maximale Ozon-8-Stunden-Wert eines Tages bei 120 µg/m3 liegen. Beim Thema Ozon ist stets das Wetter ein wichtiger Faktor. Anders als etwa 2015 war der Sommer des vergangenen Jahres eher wechselhaft und es traten keine lang anhaltenden Schönwetterperioden auf, die die Ozonbildung begünstigt haben.

Bei der Jahresauswertung „Luftqualität 2017“ steht allerdings die Bedeutung der Entwicklungen bei den Stickstoffdioxidbelastungen eindeutig im Zentrum, resümiert das UBA: Der Rückgang der Stickstoffdioxidbelastung reicht nicht aus, so lautet das Fazit: „Die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Wir sind aber noch längst nicht am Ziel“, sagt Krautzberger.

Quelle: Umweltbundesamt

© natur.de – Martin Vieweg
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