Wie werden kernlose Trauben gezüchtet? - wissenschaft.de
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Nachgefragt Umwelt+Natur

Wie werden kernlose Trauben gezüchtet?

Traubenkerne empfinden viele Menschen als unangenehm beim Kauen. (Foto: Denira777/iStock)

Obstgenuss ohne harte Störenfriede – kernlose Tafeltrauben erfreuen sich großer Beliebtheit. Doch irgendwie erscheinen diese Früchte unnatürlich: Wie lassen sich entsprechende Rebsorten züchten – ohne Samenbildung ist doch kein Kreuzen möglich? Sind das irgendwie Hightech-Produkte? Danach hat uns Frank B. gefragt – vielen Dank dafür.

„Kernlose Trauben haben prinzipiell nicht erst moderne Zuchtverfahren hervorgebracht – es gibt entsprechende Rebsorten schon sehr lange“, sagt Ernst-Heinrich Rühl, Leiter des Instituts für Rebenzüchtung der Hochschule Geisenheim University. „Die Rosinen und Sultaninen sind beispielsweise getrocknete Weinbeeren sehr alter Rebsorten, die keine Kerne ausbilden“, sagt Rühl. Schon früh haben Menschen demnach gezielt Reben weiter vermehrt, bei denen sich kaum harte Steine in den Beeren entwickelten. Entstanden sind diese Pflanzen durch natürliche Mutationen in Erbanlagen, die für die Entwicklung der Samen in den Früchten verantwortlich ist. „Mittlerweile ist das entsprechende Gen auch bekannt“, so Rühl.

Wie der Weinbauexperte erklärt, war und ist die Vermehrung von Weinpflanzen auch ohne Samen möglich – und zwar durch vegetative Techniken. Damit ist gemeint, was man landläufig als Stecklinge oder Ableger bezeichnet: Durch die Bewurzelung abgeschnittener Pflanzenteile lassen sich beliebig viele genetisch identische Klone einer Ursprungspflanze erzeugen. Im Weinbau handelt es sich dabei um die Standardmethode: Die Reben, die in den Weinbauregionen der Welt die Hänge bewachsen, sind in der Regel vegetativ vermehrte Kopien bestimmter Rebsorten.

Moderne Züchtung im „Brutkasten“

„Neue Sorten kann man allerdings tatsächlich nur über Samen züchten, die aus der Kreuzung von zwei unterschiedlichen Pflanzen entstanden sind“, betont Rühl. Wie er erklärt, ist dies neuerdings auch bei den sogenannten kernlosen Rebsorten möglich. Das liegt daran, dass sie genaugenommen gar nicht kernlos sind: „In den Trauben gibt es Kernanlagen – sie sind allerdings winzig, so dass man sie beim Essen der Früchte nicht wahrnimmt“, sagt Rühl. Auf normalem Wege sprießen aus diesen verkümmerten Winzlingen keine Keimlinge. Doch Labor-Techniken können dies heute ermöglichen: Die Kernanlagen werden dazu aus den Trauben geholt und auf Nährmedium kultiviert. „Sie sind gleichsam wie Frühchen, die man im Brutkasten versorgt“, sagt Rühl. Aus ihnen entwickeln sich dann Pflanzen, die Kombinationen der Merkmale ihrer Eltern besitzen.

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„Bei der Zucht solcher neuen kernlosen Sorten stehen vor allem Aspekte im Fokus, die mit den Verbrauchervorlieben und mit der Produktion oder dem Handel zu tun haben“, sagt Rühl. Konkret heißt das: Dicke Trauben lassen Menschen im Supermarkt zugreifen – dementsprechend sind große Beeren ein wichtiges Zuchtziel. Dieses Merkmal ist allerdings mit weiteren züchterischen Herausforderungen verknüpft: „Kernlose Tafeltrauben werden zu einem großen Teil in Kalifornien, Chile oder Südafrika angebaut und dann verschickt“, sagt Rühl. Sie müssen deshalb trotz ihrere Größe auch fest an den Rispen sitzen und wenig anfällig gegenüber Schimmelbildung sein, damit sie die Lagerung und den teilweise langen Transport überstehen. „Bei der Zucht moderner Sorten von kernlosen Tafeltrauben sind deshalb möglichst optimale Kombinationen von Großfrüchtigkeit und Widerstandsfähigkeit das Ziel“, sagt der Weinbauexperte.

Wenn Sie auch eine Frage oder einen Themavorschlag für unsere Rubrik „Nachgefragt“ haben, schicken Sie uns einfach eine E-Mail an: fragen@wissenschaft.de
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