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Wie wir Denken und Sprechen koordinieren

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© F1 online
Einfach drauflos plappern, ohne gut nachzudenken – das kann peinlich enden, denn manchmal kommt dabei verknoteter Unsinn raus. „Erst denken, dann sprechen“, heißt dann der Ratschlag. Doch wie funktioniert diese Koordination eigentlich – wie denken wir beim Sprechen voraus? Dieser Frage gehen Forscher des Max-Planck-Instituts für Psycholinguistik in Nimwegen nach. Sie konnten zeigen, dass dies von der Komplexität dessen abhängt, was wir ausdrücken wollen.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass der Mensch beim Sprechen grundsätzlich nicht aufwendig geistig vorformuliert, sondern nur kurz plant, dann zu reden beginnt und schließlich weiter plant, während er den Satzanfang ausspricht. Dies funktioniert, weil die Sprechplanung schneller ausgeführt wird als die Aussprache selbst. Man braucht beispielsweise mindestens 1,5 Sekunden, um die Worte „Das kleine Mädchen …“ auszusprechen. Das ist genügend Zeit, um den nächsten Teil des Satzes, etwa „… schiebt den Jungen auf dem Schlitten“, zu planen. Wenn die Planungszeit einmal nicht ausreicht, macht der Sprecher eine kurze Pause oder produziert das typische „äh“, um Zeit zu gewinnen.

Doch zu den Details dieses Prozesses gibt es noch einige offene Fragen. Frühere Studien hierzu legten zwei Hypothesen nahe: Erstens könnten Sprecher vor Sprechbeginn das Konzept und das erste Wort der Äußerung festlegen. Demnach sollten sie, sobald beispielsweise ein zu beschreibendes Bild erscheint, einen der Handlungsteilnehmer, etwa ein Mädchen betrachten und dann sofort zu sprechen beginnen. Die folgenden Wörter in der Äußerung würden dann später geplant. Eine zweite Möglichkeit wäre, dass sie vor Beginn der Äußerung bereits grob festlegen, was im gesamten Bild passiert, also wer was tut. Dann sollten sie zunächst beide Handlungsteilnehmer (den Jungen und das Mädchen) und vielleicht auch andere Bildteile (einen Schlitten) betrachten.

Im ersten Fall wird nur ein einfaches Konzept festgelegt, während im zweiten Fall vor Äußerungsbeginn bereits eine komplexe gedankliche Struktur gebildet wird. Die Forscher um Antje Meyer konnten nun zeigen, dass Sprechende weder die eine noch die andere Strategie konsistent anwenden, sondern ihre Sprechplanung von der Schwierigkeit der Aufgabe abhängig machen.

Das Konzept wird dem Schwierigkeitsgrad angepasst

Die Forscher baten bei ihren Untersuchungen Probanden, Szenen zu beschreiben, die sie an einem Monitor sahen. „Wir nehmen die Äußerungen auf und bestimmen auf der Grundlage des Sprachsignals, wann die Probanden anfangen zu sprechen und wann sie jedes weitere Wort aussprechen“, erklärt Meyer. Während des Experiments tragen die Probanden eine Augenbewegungskamera, mit der auf genau bestimmt werden kann, wann und wie lange sie den Handelnden und den passiven Partner ansehen.

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„Aus den Augenbewegungen können wir ableiten, wann jemand seine Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Bildteil richtet, also vermutlich den entsprechenden Gedanken aufbaut. Dies können wir zu den gesprochenen Äußerungen in Beziehung setzen und so bestimmen, wie weit Sprecher ihre Äußerungen planen, bevor sie anfangen zu sprechen“, erklärt die Forscherin. Um zu untersuchen, was bei höheren Schwierigkeitsgraden passiert, verwenden die Forscher auch Bilder, in denen die Handlungen schwieriger zu erkennen oder zu beschreiben waren.

Wenn die Handlung einfach war, betrachteten die Probanden erst bevorzugt den Handelnden, der in der Regel dann auch zuerst erwähnt wurde, und dann den passiven Partner, der als zweites benannt wurde. Dieses Muster zeigt, dass sich die Probanden zunächst einen Überblick über das Geschehen verschafften. Sie betrachteten oft beide Personen und bildeten eine gedankliche Struktur, um dann der Reihe nach zu beiden zurückzukehren. Wenn die Handlung hingegen schwerer zu beschreiben war, beschränkten sich die Probanden von Anfang an mehr auf die Betrachtung des Handelnden. Die Phase des allgemeinen Überblicks entfiel weitgehend.

Diese und weitere Analysen zeigten, dass die Probanden nicht starr eine Planungsstrategie verwendeten, sondern – abhängig von der Situation – unterschiedlich planten. „Wir können unsere Äußerungen also auf verschiedene Weise planen und dabei unterschiedlich weit vorausdenken“, resümiert Meyer.

Quelle:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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