Wie Wombats Würfel "machen" - wissenschaft.de
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Wie Wombats Würfel „machen“

(Photo by P. Yang and D. Hu/Georgia Tech)

Würste, Köttel, Fladen… – der Kot von Tieren unterscheidet sich deutlich, er besitzt aber eine Gemeinsamkeit: Er ist rundlich geformt. Doch die Geschäftchen eines Tieres widersprechen dieser Regel: Der australische Wombat macht Würfel. Nun haben Forscher erstmals Einblicke in die Entstehung der skurrilen Form gewonnen. Außerdem erklären sie, zu welchem Zweck der Wombat Würfel kackt.

Durch ihre pummelige Körperform, die kurzen Beine und das rundliche Gesicht wirken sie wie Teddybären: Das knuddelige Aussehen hat die Wombats zu prominenten Vertretern der australischen Beuteltiere gemacht. Dass die Form ihrer Geschäftchen diesem Aussehen so gar nicht entspricht, hat bereits für viel Schmunzeln und Rätselraten gesorgt. „Viele teils kuriose Ideen zum Hintergrund des Phänomens wurden schon geäußert, aber bisher ist niemand der Ursache wissenschaftlich nachgegangen“, sagt Scott Carver von der University of Tasmania. Gemeinsam mit Patricia Yang und weiteren Wissenschaftlern vom Georgia Institute of Technology in Atlanta hat er dem kuriosen Phänomen nun eine Studie gewidmet.

Der Formgebung auf der Spur

Wie die Wissenschaftler betonen, sind kubische Strukturen zwar in der Architektur oder bei Kristallen häufig zu finden, doch bei Lebewesen sind sie ausgesprochen selten. Für die organische Bildung von Würfelformen gibt es sogar nur ein Beispiel: die Kot-Produktion der Wombats. „Ich habe es Anfangs für ein Gerücht gehalten, bis ich mich selbst davon überzeugen konnte“, sagt Yang. Im Rahmen ihrer Studie haben sie und ihre Kollegen die Verdauungstrakte von Wombats untersucht, die Carver ihnen von der australischen Insel Tasmanien geschickt hat. Es handelte sich um Tiere, die nach Fahrzeugunfällen eingeschläfert worden waren.

Wie aus den Untersuchungen hervorgeht, ist der Endarm für die charakteristische Formung des Kots verantwortlich: Dort kommt der Kot zunächst im flüssigen Zustand an und wird dann in kleine, getrennte Würfel von etwa zwei Zentimetern Kantenlänge verwandelt, berichten die Forscher. Wie sie erklären, ist die Formung auf die speziellen elastischen Eigenschaften der Darmwände zurückzuführen. Es entstehen demnach lokal unterschiedliche Druckverhältnisse, die eine Bildung von Ecken und Kanten begünstigen. „Wir kennen bisher nur zwei Methoden zur Herstellung von Würfeln: Man formt sie in festen Strukturen oder schneidet sie“, sagt Yang. „Doch Wombats erzeugen die kubischen Gebilde in weichem Gewebe“, resümiert die Forscherin.

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Würfel rollen nicht

Im Rahmen der Präsentation ihrer Ergebnisse auf der Jahrestagung der American Physical Society in Atlanta liefern die Wissenschaftler auch eine Erklärung zur Frage, wozu die Wombats das System zur Formung von Kot-Würfeln entwickelt haben. Ihnen zufolge hat dies mit der kommunikativen Bedeutung der Geschäftchen zu tun: Wombats markieren mit ihren Häufchen ihr Revier. Um die Botschaft deutlich zu platzieren – den Geruch möglichst weit wehen zu lassen – hinterlassen sie ihren Kot bevorzugt an erhöhten Plätzen – etwa auf Baumstämmen, Felsen oder Hügeln. Vor diesem Hintergrund liegt die Erklärung nahe, sagen die Forscher: Der Kot ist würfelförmig, damit er nicht von diesen abschüssigen Strukturen herunterrollt.

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