Rückgang der Bestände um bis zu 99 Prozent Wilden Graupapageien droht das Aus - wissenschaft.de
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Rückgang der Bestände um bis zu 99 Prozent

Wilden Graupapageien droht das Aus

Graupapagei
Der Handel mit wildgefangenen Graupapagieen ist künftig weltweit verboten. (Foto: DirkR / Fotolia)
Der intelligente Graupapagei kann zählen, sprechen und Werkzeuge gebrauchen. Kein Wunder, dass dieser schlaue Vogel bei Vogelhaltern besonders beliebt ist. Doch während die Zucht dieses Papageis bei uns boomt, stehen seine wilden Verwandten kurz vor dem Aussterben.

Der Graupapagei (Psittacus erithacus) stammt ursprünglich aus Zentralafrika: Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über rund drei Millionen Quadratkilometer von Ghana und der Elfenbeinküste im Westen bis nach Kenia im Osten. Von hier brachten Seefahrer schon vor mehr als 300 Jahren die ersten Graupapageien nach Europa, wo sie schnell als Haustier beliebt wurden.

Inzwischen werden die Graupapageien längst problemlos gezüchtet, so dass eigentlich keine wilden Exemplare gefangen und verkauft werden müssen – und es auch nicht ohne weiteres dürfen, denn diese Papageienart ist unter der Artenschutzkonvention CITES als bedroht gelistet. Das aber ändert nichts daran, dass nach Schätzungen der Vogelschutzorganisation Birdlife allein von 1982 bis 2001 rund eine Million wilde Graupapageien gefangen und gehandelt wurden.

Fast komplett verschwunden

„Die Auswirkungen dieses Handels auf die wilden Populationen ist leicht auszumalen, aber schwer zu quantifizieren“, sagen Nathaniel Annorbah von der Manchester Metropolitan University und seine Kollegen. Um hier mehr Klarheit zu schaffen, haben sie nun die Entwicklung der Bestände der Graupapageien in Ghana untersucht.

Das erschreckende Ergebnis: Die wilden Graupapageien in dieser Region sind seit 1992 um 90 bis 99 Prozent zurückgegangen. „Allein in drei Brutgebieten, in denen vor 20 Jahren noch 700 bis 1.200 Vögel lebten, haben wir nun kein einziges Nest mehr gefunden und nur noch 18 lebende Einzeltiere“, berichten die Forscher. Angesichts der Tatsache, dass die Population bereits damals durch den Vogelhandel stark dezimiert war, sei dies mehr als bedenklich.

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Wilderei und Abholzung

„Besonders erstaunlich ist die Tatsache, dass die Population in der Zeit um mehr als 90 Prozent abgenommen hat, als der Handel mit diesen Papageien nach CITES längst verboten war“, so Annorbah. Doch wie er und seine Kollegen bei Befragungen vor Ort feststellten, wurden wilde Graupapageien dennoch weiterhin in Fallen gefangen und illegal verkauft. Gut die Hälfte dieser Wildfänge stirbt dabei jedoch gewöhnlich, bevor sie überhaupt ihren Käufer erreichen.

Ein weiterer Grund für das Verschwinden der Graupapageien ist die Rodung der Wälder für die Landwirtschaft und den Holzhandel. Vor allem das Abholzen großer alter Bäume auf Farmland nimmt den Vögeln selbst ihren letzten Rückzugsraum, sagen Annorbah und seine Kollegen.

Verluste in ganz Westafrika

Das Fatale daran: Ghana ist kein Einzelfall: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Status der Graupapageien und ihres engen Verwandten, des Timneh-Graupapageis, im Rest Westafrikas ähnlich ist: Diese beiden Arten sind in einem Großteil der Region so gut wie ausgerottet und überleben nur noch in geringer Zahl in einigen wenigen Standorten“, so die Forscher.

„Dies sind extreme Verluste dieser beliebten Vogelart“, betont Annorbahs Kollege Stuart Marsden. „Wenn wir nicht aufpassen, werden wilde Graupapageien bald aus den Landschaften Westafrikas und aus dem Gedächtnis der Menschen dort verschwunden sein.“

Quelle: Wiley, Fachartikel: Ibis, doi: 10.1111/ibi.12332

© natur.de – Nadja Podbregar
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