Interview mit einer Institution: dem Osterhasen "Wir stehen auf das Oster-Spektakel" - wissenschaft.de
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Interview mit einer Institution: dem Osterhasen

„Wir stehen auf das Oster-Spektakel“

Moin, Meister Lampe! Was ist los mit Ihnen? Was soll los sein? Sie sind erst für Ende April angekündigt. Was denken Sie sich? Die Kinder werden schon ungeduldig, die Läden sind gerammelt voll mit Osterzeugs .

Sie sind erst für Ende April angekündigt. Was denken Sie sich? Die Kinder werden schon ungeduldig, die Läden sind gerammelt voll mit Osterzeugs .

Moooment! Für das Datum kann ich nu gar nichts, das macht der gute Mond. Wie Sie wissen sollten, ist Ostern immer am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Da diesmal kurz vor Frühlingsanfang, am 19. März, Vollmond ist und der nächste logischerweise vier Wochen später, ist da schon Mitte April; und weil das ein Montag ist, kommen noch mal sechs Tage dazu.

Aha …

Und was die Schokohasen angeht, machen Sie sich mal keine Sorgen. Da sind genügend Konservierungsstoffe drin.

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Sie scheinen ja zu wissen, wie der Hase läuft.

Klar, wir halten bei den meisten großen Süßwaren-Herstellern Anteile . haha, kleiner Scherz. Aber ohne Witz: Wir stehen auf das Oster-Spektakel.

Verständlich, nach der Häschenschule kriegt man auch mal Lust auf Rabbatz.

Ja, ist echt ne prima Abwechslung.

Wie seid ihr überhaupt zu den Eiern gekommen? Wir kennen Euch eher als Säugetiere.

Logisch Mann, sind wir auch. Aber früher, als es mehr von uns gab, waren die Menschen gewöhnt, bevor das Gras hochgewachsen war, uns massenhaft in den Wiesen zu sehen. Und weil dort gleichzeitig Vögel brüteten, kam es öfter vor, dass ein aufgeschreckter Hase mit einem verlassenen Gelege in Verbindung gebracht wurde. Und dann sah es so aus, als hätten wir die Eier im Gras versteckt.

Ah, da liegt der Hase im Pfeffer, Ihr Schwindler. Als Vorbild für unsere Kinder seid Ihr echt bedenklich.

Wieso?

Na, weil Ihr auch noch völlig beziehungsunfähig seid, Ihr trefft Euch doch nur zur Paarung und dann „tschüss“!

Stimmt und Sie werden staunen, es kommt sogar noch wüster: Wir prügeln uns, bevor wir, ähäm, zur Sache kommen.

Wie bitte?

Wenn Paarung angesagt ist, wird bei uns erst mal geboxt. Frauen mit Männern, Männer untereinander. Und nur die Stärksten dürfen dann ram-, also, ran.

Dann sind Sie weder Hasenfüße noch Angsthasen?

Yep! Wir sind wilde Gesellen. Selbstbewusst, nervensicher, spurtstark. Aber die Natur hat uns nun mal nicht als Kampfmaschinen ausgerüstet, deshalb müssen wir manchmal die Flucht ergreifen. Aus Weisheit.

Apropos Flucht: Täuscht der Eindruck, dass Sie aus unserer Kulturlandschaft allmählich verschwinden?

Das können Sie laut sagen! Es wird hier immer schwieriger für uns. Keine Deckung auf den riesigen Feldern, zu wenig Auswahl zum Fressen. Mähdrescher, Autobahn und Schrot / sind des Hasen sich’rer Tod! Die gute alte Zeit kennen wir nur aus Erzählungen.

Immerhin sind Sie 2001 zum „Wildtier des Jahres“ erklärt worden.

Das ist ja das Schlimme! Wenn du Wildtier des Jahres wirst, hast du’s quasi amtlich, wie mies es steht.

In einem Feldversuch wurde nachgewiesen, dass die Zahl der Feldhasen um das Fünfache steigt, wenn ein Gebiet auf Öko-Landbau umgestellt wird.

Jawoll! Wir brauchen mehr Feldraine und mehr Heckensäume mit Büschen und Sträuchern. Ist doch wohl klar: Stirbt der Hase, könnt Ihr Ostern knicken!

GESPRÄCH: MARTIN RASPER

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