Wo der Sechste Sinn wohnt - wissenschaft.de
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Wo der Sechste Sinn wohnt

Amerikanische Forscher haben im Gehirn das Frühwarnsystem vor Risiken und Gefahren lokalisiert. Der so genannte Anterior Cingulate Cortex (ACC) am oberen Ende des Frontallappens puzzelt Umwelteindrücke und vergangene Erfahrungen zusammen und vermittelt ein Gefühl für bevorstehende Schwierigkeiten. Dieser „Sechste Sinn“ hilft, das menschliche Verhalten einer riskanten Situation anzupassen, schließt Joshua Brown von der Washington-Universität in St. Louis aus seinen Experimenten. Die Ergebnisse publizieren Brown und sein Kollege Todd Braver im Fachmagazin Science (Bd. 307, 18. Februar, S. 1118).

Die untersuchte Gehirnregion ist unter Forschern als eine Art „Überraschungszentrum“ des Gehirns bekannt: Es wird immer dann aktiv, wenn etwas schief geht, ein Fehler auftritt oder eine schwierige Entscheidung zwischen sich widersprechenden Alternativen zu treffen ist. „Wir konnten nun zeigen, dass diese Gehirnregion lernen kann, bevorstehende Schwierigkeiten oder Fehler vorauszuahnen“, schreibt Brown. Da Krankheitsbilder wie Schizophrenie und aggressive Verhaltensstörungen mit Änderungen in der Region des ACC einhergehen, rechnen die Forscher mit weiteren Erkenntnissen zu deren Therapie.

In den Versuchsreihen mussten gesunde Probanten Aufgaben am Computerbildschirm lösen. Abhängig von gezeigten Bildern sollten sie eine von zwei Tasten drücken. Das ging zunächst noch problemlos. Doch dann erhöhten die Forscher die Schwierigkeit der Tests und provozierten mehr Fehler in den Entscheidungen der Versuchspersonen. Dabei nahmen sie alle 2,5 Sekunden die Gehirnaktivität mit der funktionellen Magnetresonanztomographie auf. Wie sich zeigte, filterten die Probanten unbewusst diejenigen Situationen heraus, in denen erhöhte Aufmerksamkeit nötig ist, um richtig zu entscheiden. Diese Entscheidungen waren mit einer deutlich erhöhten Aktivität des ACC verbunden.

Auf diesen Sechsten Sinn führen die Forscher beispielsweise auch Berichte zurück, wonach während der Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean Eingeborene instinktiv höhergelegene Gebiete aufsuchten. Die Küstenbewohner deuteten teilweise nicht näher beschreibbare Änderungen ihrer Umwelt als Zeichen einer heraufkommenden Gefahr.

ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer
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