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Wo Hunde hinschauen

Wenn Hunde ein menschliches Gesicht betrachten, verfolgen sie eine ähnliche Strategie wie ein Mensch: Sie schauen zuerst auf die rechte Gesichtshälfte und lassen ihren Blick dort länger verweilen als auf der anderen Seite, haben britische Forscher beobachtet. Die Tiere scheinen demnach ebenso wie Menschen eine sogenannte Links-Blick-Tendenz, auf Englisch „left gaze bias“ genannt, zu haben: Aus bislang nicht eindeutig geklärten Gründen blicken Menschen beim Betrachten eines fremden Gesichts vorwiegend nach links, also auf die rechte Gesichtshälfte ihres Gegenübers. Eine mögliche Erklärung für die Links-Blick-Tendenz ist laut Forschungsleiter Kun Guo von der University of Lincoln die Fähigkeit der rechten Gesichtsseite, Emotionen deutlicher auszudrücken.

Die Links-Blick-Tendenz ist für Menschen eindeutig dokumentiert, berichten Guo und sein Team. Über die Gründe für diese Tendenz gibt es mehrere Theorien. Guo glaubt, dass Menschen bei fremden Personen erst auf die rechte Gesichtshälfte blicken, weil dort wichtige Informationen über den emotionalen Zustand des Gegenübers erkennbar sind. So wiesen aktuelle Studien darauf hin, dass sich Stimmungen wie Ärger oder Wut deutlicher auf der rechten Gesichtsseite abbilden als auf der linken, schreibt der Forscher.

Trifft diese Theorie zu, so ist es sowohl für Menschen als auch für Hunde sinnvoll, zunächst nach links zu schauen, um die rechte Gesichtshälfte einer fremden Person nach Zeichen von Aggression zu untersuchen. Vorläufige Forschungsergebnisse legten nahe, dass Hunde zudem eine wesentlich stärkere Links-Blick-Tendenz haben, wenn sie ein wütendes Gesicht betrachten, erklärt Guo ? für den Forscher ein weiterer Beleg für seine Theorie. Auch in der Tatsache, dass die Links-Blick-Tendenz bei unbelebten Objekten weder für Menschen noch für Hunde beobachtbar ist, sehen die Wissenschaftler einen Nachweis für ihre These.

Allerdings ist die Links-Blick-Tendenz von Hunden nicht ganz identisch mit der des Menschen. So blicken Hunde auch dann nach links, wenn sie ein Gesicht betrachten, das auf dem Kopf steht. Menschen dagegen verlieren unter diesen Umständen die Vorliebe für Links. Daniel Mills, Mitautor der Studie, glaubt darin ein spezielles Verhalten von Hunden zu erkennen: Weil sich die Tiere oft auf den Rücken legen, wenn sie Menschen begrüßen, sind sie es gewohnt, auf dem Kopf stehende Gesichter vor sich zu haben. Gleichzeitig ist ihr Gehirn aber darauf gepolt, zunächst nach links zu blicken, so dass sie diese Tendenz auch dann nicht ablegen, wenn sie auf dem Rücken liegen ? somit schauen sie dann nicht mehr die rechte Gesichtshälfte des vor ihnen stehenden Menschen an, sondern die linke. „Hunde können diese Verdrahtung nicht umgehen“, so Mills.

New Scientist, Ausgabe vom 1. November, S. 14. Originalarbeit der Forscher: Kun Guo (University of Lincoln) et al.: Animal Cognition, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1007/s10071-008-0199-3 ddp/wissenschaft.de ? Markus Zens
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