Wo man auf dem Mars nach Leben suchen sollte - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Wo man auf dem Mars nach Leben suchen sollte

Die verlassene Stadt Yungay mitten in der Atacama-Wüste gilt als trockenster Ort der Erde. Dort gibt es so wenig Luftfeuchtigkeit, dass im Boden nicht einmal Bakterien gedeihen. Doch selbst Yungay ist nicht völlig tot: Eine vielfältige Bakterienflora hat es sich in einer dünnen, natürlichen Lackschicht auf den Wüstenfelsen gemütlich gemacht, berichten Forscher um Kimberley Kuhlman. Wie sie schreiben, könnte ähnlicher Wüstenlack dem Leben auf dem Planeten Mars ebenfalls einen Unterschlupf geboten haben.

Wüstenlack ist eine hauchdünne, feste Mineralschicht, die sich in trockenen Klimazonen manchmal auf Felsen bildet. Der dunkelglänzende Lack entsteht vor allem auf Sandstein und besteht aus Tonmineralien, die von Eisen- und Manganoxid zusammengehalten werden. Er bildet sich wahrscheinlich, wenn sich im Inneren des Sandsteins durch Tauwasser Metallösungen bilden, die an der Oberfläche wieder verdunsten. An manchen Stellen haben Steinzeitmenschen Zeichnungen in den dünnen Überzug hineingeritzt.

Kuhlman und ihre Kollegen untersuchten nun Wüstenlack aus der Yungay-Region mit molekularbiologischen Methoden auf die Überreste von Mikroben. Sie identifizierten Erbgut von 32 verschiedenen Mikrobenarten, darunter auch Cyanobakterien, die vermutlich aus dem nahe gelegenen Meer herangeweht wurden und sich dann an das Leben in der Wüste anpassten. Es gelang den Forschern auch, Kulturen einiger Stämme anzulegen. Ob die Mikroben auf der Oberfläche, in der Mitte oder am unteren Rand des Wüstenlacks leben, der eine maximale Dicke von wenigen Millimetern erreicht, oder ob sie im Zwischenraum zwischen Lack und Fels gedeihen, wissen die Forscher nicht. Sie vermuten aber, dass der Firnis die Mikroben auch vor der intensiven ultravioletten Strahlung in der Wüste schützt.

Die Forscher um Kuhlman spekulieren, dass Wüstenlack auch Bakterien auf dem Mars eine Rückzugsmöglichkeit geboten haben könnten, als dessen Klima vor einigen Milliarden Jahren zunehmend trockener wurde. Auf den Fotos aller Marslanderoboter sind ebenfalls dünne, glänzende Schichten zu sehen, die die Oberfläche von Felsen bedecken. Kuhlman gibt allerdings zu bedenken, dass es nicht sicher ist, ob es sich um Wüstenlack handelt. „Es gibt auch andere Beschichtungen, die Wüstenlack ähneln“, sagt die Forscherin. „Um sicher zu sein, muss man ein Stück abkratzen und unter das Mikroskop legen.“

Kimberly Kuhlman (Planetary Science Institute, Tucson, Arizona) et al. Journal of Geophysical Research, Biogeosciences, Bd. 113, G04022, doi:10.1029/2007JG000677 Ute Kehse
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