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Wo Nomen wohnen

Nomen und Verben werden in unterschiedlichen Regionen des menschlichen Gehirns gespeichert. Das haben amerikanische Wissenschaftler um Alfonso Caramazza von der Harvard-Universität in Cambridge herausgefunden, als sie mehrere Probanden einfache Sätze mit Nomen und Verben sprechen ließen und dabei ihre Gehirnaktivität sichtbar machten.

Alle Sprachen der Welt haben eines gemeinsam: Nomen und Verben sind die beiden grundlegenden Kategorien jeder Grammatik. Wie und wo das Gehirn diese Basiselemente des Sprechens verarbeitet, interessiert schon seit längerem viele Wissenschaftler. Beispielsweise ist aus Studien mit Hirngeschädigten bekannt, dass viele entweder ausschließlich Verben aussprechen können oder aber nur Nomen beherrschen ? je nachdem, welche Gehirnregion nicht mehr richtig funktioniert.

Nun ist es dem Neuropsychologen Caramazza und seinem Team gelungen, diejenigen Hirnregionen, die bei der Verarbeitung von Verben und Nomen eine Rolle spielen, klar zu identifizieren und gegeneinander abzugrenzen. Dazu zeichneten sie bei mehreren Probanden die Aktivitäten in verschiedenen Hirnarealen mit der so genannten funktionalen Magnetresonanztomographie (fMRI) auf. Während die Forscher mit dem Tomographen das Gehirn ihrer Probanden abscannten, mussten diese verschiedene englische Satzteile wie zum Beispiel „er denkt“ oder „eine Idee“ laut aussprechen.

Die Wissenschaftler wählten die gesprochenen Testwörter sorgsam aus, denn sie wollten die Verarbeitung von Grammatik unabhängig von der eigentlichen Wortbedeutung untersuchen. Daher erfanden sie Kunstwörter, die im Satzzusammenhang als Verb oder aber als Nomen eingesetzt wurden. Außerdem umfasste der Test sowohl abstrakte als auch konkrete, bildhafte Wörter. Zudem nahmen sie auch unregelmäßige Verben und Substantive mit unregelmäßigem Plural in das Testrepertoire auf.

Das Untersuchungsergebnis: Bei der Verarbeitung von Verben waren zwei Hirnregionen im so genannten linken präfrontalen Cortex und in einem Teil des linken Scheitellappens besonders aktiv. Für Nomen hingegen stellte sich besonders ein Teil im linken Schläfenlappen als wichtig heraus. Trotz dieser Erkenntnisse sind laut Caramazza und seinen Kollegen weitere Untersuchungen nötig, um genauer zu verstehen, wie das Gehirn mit Grammatik umgeht.

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Alfonso Caramazza (Harvard-Universität, Cambridge) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0504142103 ddp/wissenschaft.de ? Anna-Lena Gehrmann
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