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Wo sich HIV versteckt

Der Aids-Erreger HIV kann sich in bestimmten Zellen des männlichen Hodens verstecken und dort auch vermehren, haben französische Forscher entdeckt. Aus diesem Grund kann die Anzahl der Viren in der Samenflüssigkeit auch dann hoch sein, wenn sie im Blut sehr gering ist. Die vom Blut unabhängige Vervielfältigung der Erreger im Hoden ist ganz besonders deswegen problematisch, weil die meisten der gegen HIV-Infektionen eingesetzten Wirkstoffe nicht in das Hodengewebe eindringen können, schreiben Nathalie Dejucq-Rainsford und ihre Kollegen.

Den Verdacht, der Hoden könnte ein eigenständiges Reservoir für HI-Viren sein, gibt es schon länger. So konnten Wissenschaftler im Sperma von infizierten Männern, die mit antiretroviralen Medikamenten behandelt wurden, Viruspartikel nachweisen, obwohl im Blut praktisch keine Erreger mehr zu finden waren. Auch unterscheiden sich die mit der Samenflüssigkeit ausgeschiedenen Viren in manchen Fällen von den im Blut zirkulierenden. Ob sich die Viren jedoch im Hoden selbst verstecken oder ob auf andere Weise ins Sperma gelangen, war bislang unbekannt.

Dejucq-Rainsford und ihren Kollegen gelang es nun, bei einer Analyse von Hodengewebe im Labor den Unterschlupf der Erreger zu identifizieren: Zwar besitzen eine ganze Reihe der Zellen im Hoden die notwendigen Andockstellen, infiziert werden aber hauptsächlich bestimmte Immunzellen, so genannte Makrophagen oder Fresszellen. In diesen Zellen können sich die Viren vermehren und zu Partikeln heranreifen, die ebenfalls Infektionen verursachen können, zeigten weitere Experimente.

Nach wie vor sind sexuelle Kontakte weltweit die Hauptursache für die Ausbreitung von HIV-Infektionen, schreiben die Forscher. Dass sich die Erreger auch im Hoden vermehren können, erklärt ihrer Ansicht nach, warum Männer trotz einer erfolgreichen medikamentösen Therapie ihre Sexualpartner anstecken können. In Anbetracht der weiter steigenden Anzahl Infizierter müsse nun gezielt nach antiretroviralen Wirkstoffen gesucht werden, die auch in das Hodengewebe eindringen und die Erreger dort beseitigen können, so die Wissenschaftler.

Nathalie Dejucq-Rainsford (Universität von Rennes I) et al.: American Journal of Pathology, Bd. 169, S. 2094 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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