Wölfe: Das Problem der Hybriden - wissenschaft.de
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Wölfe: Das Problem der Hybriden

Wolf und Wolfshund
Ein Wolf und ein Wolf-Hund-Mischling (vorne) in Italien. (Bild: LIPU Oasi Castel di Guido, Rom)

Für Wölfe in Deutschland brechen schwierigere Zeiten an. Gerade erst hat die Bundesregierung die Abschusskriterien für Wölfe in Deutschland gelockert, jetzt diskutieren Forscher über eine weitere Bedrohung: die Hybridisierung der Wolfspopulationen durch Kreuzungen mit verwilderten Haushunden. Das Problem jedoch: Bisher herrscht kaum Einigkeit darüber, wie man dagegen vorgehen kann.

Eigentlich ist die Kreuzung eng verwandter Arten ein ganz natürlicher Prozess – und hat in der Evolution schon häufig eine wichtige Rolle gespielt. Denn nicht selten haben die aus solchen Paarungen resultierenden Hybride eine höhere Anpassungsfähigkeit und Fitness als ihre jeweiligen Eltern. Doch wenn es um den Artenschutz geht, kann die Hybridisierung auch zur Gefahr werden. Im Extremfall können beispielsweise eingekreuzte domestizierte Verwandte die wilden Populationen so verändern, dass vom Genpool der ursprünglichen Art kaum mehr etwas übrigbleibt.

Das Problem der Wolf-Hund-Hybriden

Ein Fall, bei dem dies zurzeit diskutiert wird, ist der Wolf: „Auf dem europäischen Kontinent wurden schon in verschiedenen Wolfspopulationen Wolf- und Haushund-Hybridisierungen beobachtet“, erklären Valerio Donfrancesco von der University of Exeter und seine Kollegen. Verwilderte Haushunde paaren sich dabei mit Wölfen und deren Nachwuchs läuft im Wolfsrudel mit. Hauptursache dafür ist der Mensch. Zum einen ist er es, der die Haushunde verwildern lässt. Zum anderen schränkt er den Lebensraum der wilden Wölfe so stark ein, dass sie immer häufiger freilaufenden Hunden begegnen.

Nach Ansicht vieler Forscher laufen die sich gerade erst wieder erholenden Wolfsbestände in Europa so Gefahr, im Laufe der Zeit zu gemischten Wolfshund-Rudeln zu werden. „Wir müssen dieses Problem angehen, bevor die Wolf-Hund-Hybriden sich so stark in die Wolfspopulationen einkreuzen, dass die Erhaltung der wilden Wölfe nicht mehr möglich wird“, warnt Donfrancesco. Hinzu komme, dass durch den engen Kontakt zwischen Hunden und Wölfen auch Krankheiten auf die wilden Populationen übertragen werden können.

Was tun?

Das Problem jedoch: Bisher herrscht zwar Einigkeit darüber, dass eine Vermischung von Hunden mit Wölfen möglichst verhindert werden sollte, nicht aber, wie dies geschehen soll. Das bestätigt auch eine anonyme Umfrage, die Donfrancesco und sein Team unter gut 40 Wissenschaftlern, die im Bereich des Wolfsschutzes und der Wolf-Hund-Hybridisierung tätig sind. Einig waren sich diese Experten darin, dass man vorbeugende Maßnahmen gegen die Verwilderung von Hunden und ihren Kontakt mit Wölfen durchführen müsste.

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Die Ansichten gingen jedoch stark auseinander, wenn es um reaktive Maßnahmen ging: Was tun mit den verwilderten Hunden und Mischlingen, die es in den Wolfsgebieten schon gibt? Während die meisten dafür plädierten, diese Tiere einzufangen, zu sterilisieren und dauerhaft aus dem Rudel zu entfernen, wollen andere sie zwar sterilisieren, aber dann im Wolfsrudel belassen. Auch Extrempositionen gab es: Einige Wolfsforscher hielten es sogar für angeraten, Wolf-Hund-Mischlinge abzuschießen, während einige andere solche Hybride wegen ihrer möglicherweise höheren Fitness sogar unsterilisiert im Wolfsrudel belassen würden.

„Diese Uneinigkeit beruhte teils auf unterschiedlichen ethischen Ansichten, aber auch auf dem Mangel an Daten über die Effektivität der verschiedenen Maßnahmen“, erklärt Donfrancesco. „Zudem befürchten einige Wissenschaftler, dass die Entnahme oder sogar der Abschuss von Hybriden auch ein Schlupfloch für die legale Tötung vieler Wölfe öffnen würde.“ Angesichts der rund 17.000 Wölfe in Europa und den in vielen Regionen, in denen es schon ohne das Mischungsproblem zu Konflikten mit Nutztierhaltern kommt, ist dies sicher keine unbegründete Sorge. Fakt scheint, dass die Wiederausbreitung der Wölfe in Europa zahlreiche Konsequenzen hat, die reichlich Stoff für Diskussionen liefern.

Quelle: University of Exeter; Fachartikel: Frontiers in Ecology and Evolution, doi: 10.3389/fevo.2019.00175

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