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Umwelt+Natur

Wofür der Schlaf gut ist

Der Schlaf ist möglicherweise gar keine biologische Notwendigkeit, glaubt der amerikanische Biologe Jerry Siegel: Er könnte sich im Laufe der Evolution vielmehr entwickelt haben, um Energie zu sparen und Gefahren aus dem Weg zu gehen, die im täglichen Überlebenskampf auftreten. Biologische Funktionen des Schlafs, wie etwa das Revitalisieren von Körperfunktionen oder die Gedächtnisbildung, sind hingegen nach Ansicht von Siegel, der an der Universität von Kalifornien in Los Angeles arbeitet, dem Energiesparen untergeordnet oder haben sich möglicherweise auch erst später entwickelt.

Wissenschaftler schreiben dem Schlaf viele wichtige biologische Funktionen zu: Gedächtnisinhalte werden verknüpft und gefestigt, Stoffwechselprozesse erholen sich, das Immunsystem wird unterstützt, und das Gehirn macht einen kompletten „Reboot“. Siegel hält jedoch die Argumente dafür, dass diese Faktoren den Schlaf zu einem evolutionären Vorteil werden ließen, nicht für stichhaltig: Zu gering ist seiner Ansicht nach der Effekt, den der Schlaf auf diese Prozesse hat ? schließlich laufen sie teilweise ähnlich effizient auch im Wachzustand ab. Andere Faktoren müssen demnach bei der Entwicklung des Schlafs eine Rolle gespielt haben.

Die Ergebnisse vieler Schlafstudien mit Menschen und Tieren glaubt Siegel nun auf einen gemeinsamen Nenner bringen zu können: Schlafen dient dem Energiesparen. Er untermauert dies mit einigen Beispielen. So lasse sich der 20-stündige Dauerschlaf einer bestimmten Fledermausart am besten dadurch erklären, dass ihre Nahrungsquelle ? Fliegen ? eben nur für wenige Stunden am Abend bejagt werden könne. Für Löwen gelte eine ähnliche Beobachtung: Neben dem Jagen und dem Aufziehen der Jungen brauchen sie nichts zum Leben und verbringen ihre Zeit folgerichtig im Schlaf.

Siegel meint auch, dass schlafende Tiere sicherer seien und daher einen größeren Überlebensvorteil hätten als im Wachzustand. Zwar halten ihm Forscherkollegen vor, dass schlafende Tiere ihren Räubern ausgeliefert seien, doch sieht Siegel dies nicht als ausreichend wissenschaftlich belegt an ? schließlich hätten schlafende Tiere ein geringeres Verletzungsrisiko und würde ihren Feinden auch nicht unnötig vor die Augen kommen, erklärt der Forscher. Ob sich seine These halten lässt, muss sich allerdings erst in weiteren Studien erweisen.

New Scientist, 15. März, S. 31 ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer
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