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Woher die Hauskatzen kommen

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Ein Genvergleich zwischen verschiedenen Wildkatzen (hier eine aus Schottland) zeigt: Die Hauskatze stammt aus dem Nahen Osten. Foto: Ewan Macdonald
Die Urahnen aller heute lebenden Hauskatzen stammen aus dem Nahen Osten und wurden dort wahrscheinlich auch domestiziert. Anschließend verbreiteten sich die Tiere dann über die ganze Erde, schließt ein internationales Wissenschaftlerteam um Carlos Driscoll aus einem Genvergleich zwischen Hauskatzen und verschiedenen Wildkatzen. Wie die Ergebnisse zeigen, ähnelt das Erbgut der Hauskatzen am stärksten dem der Wildkatzen, die heute noch in den Wüsten Israels, Saudi-Arabiens und anderen Ländern des Nahen Ostens leben. Zudem konnten die Forscher fünf mütterliche Abstammungslinien für die Hauskatzen identifizieren, was nahelegt, dass sie auf mindestens fünf Urmütter zurückgehen.

Der älteste Nachweis eines Zusammenlebens von Katze und Mensch ist 9.500 Jahre alt und stammt aus Zypern. Wo die Hauskatze jedoch ursprünglich herkam, war bislang unklar, da die Katzenevolution nur schwer nachvollziehbar ist. Das liegt zum einen an der großen Ähnlichkeit der verschiedenen Unterarten der Wildkatze Felis silvestris und zum anderen an den häufigen Kreuzungen der Unterarten untereinander, die die genetischen Spuren der Katzenurahnen verwischen. Um die Verwandtschaftsverhältnisse nun genauer zu klären, verglichen die Wissenschaftler das Erbgut von knapp 1.000 Katzen, darunter verwilderte und gezüchtete Hauskatzen, europäische Wildkatzen, Falbkatzen aus Afrika, Steppenkatzen aus Zentralasien und chinesische Wüstenkatzen.

Auf Basis der betrachteten genetischen Marker ließen sich die Wildkatzen in sechs Gruppen einteilen, schreiben die Forscher: eine europäische, eine zentralasiatische, eine aus dem Nahen Osten, eine aus Südafrika, eine aus China und die Gruppe der Sandkatzen, die jedoch zu einer anderen Art gehören. Alle untersuchten Hauskatzen gehörten ebenfalls in die Gruppe der Wildkatzen aus dem Nahen Osten, deren Abstammungslinie bereits über 100.000 Jahre alt ist. Diese Ähnlichkeit lege nahe, dass Vorfahren der Hauskatzen aus der Region um den fruchtbaren Halbmond im Norden der arabischen Halbinsel stammen, so die Forscher.

Im Gegensatz zu anderen Haustieren wurden die Katzen ursprünglich wohl nicht als Nutztiere gehalten, sondern als eine Art nützliche Mitbewohner betrachtet. Zurück geht diese Wohngemeinschaft wohl auf die ersten Bauern im fruchtbaren Halbmond: Deren Getreidelager zogen die Nagetiere aus der Umgebung an, die wiederum die wilden Katzen zu den Höfen lockten. Die nützliche Fähigkeit der Tiere, die lästigen Nager zu dezimieren, war es nach der gängigen Theorie auch, die die Menschen dazu brachten, die Tiere zu zähmen, so dass sie sich schließlich über die ganze Welt ausbreiten konnten.

Carlos Driscoll (National Cancer Institute, Frederick) et al.: Science, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1126/science.1139518 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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