Europäische Regenwürmer verringern Artenvielfalt in Nordamerika Wühlende Invasoren - wissenschaft.de
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Europäische Regenwürmer verringern Artenvielfalt in Nordamerika

Wühlende Invasoren

Regenwürmer
Regenwürmer: Bei uns nützlich, in Nordamerika aber Invasoren (Foto: Simone Cesarz/iDiv)
Unsere Regenwürmer sind für unsere Böden ungemein nützlich. Doch in Nordamerika entwickeln sie sich zur Plage. Denn die eingeschleppten europäischen Regenwürmer breiten sich rapide aus und verändern durch ihre Tätigkeit Böden und Vegetation.

Regenwürmer lockern den Boden, durchmischen ihn und ihr Kot bringt Nährstoffe bis in die Tiefe. Für unsere Böden sind die wurmigen Wühler daher nahezu unverzichtbar. Anders dagegen in Nordamerika: Dort starben während der letzten Eiszeit fast alle Regenwürmer aus. Als das Eis dann vor rund 12.000 Jahren wieder allmählich zurückging, haben sich Ökosysteme entwickelt, die an Böden ohne Regenwürmer angepasst sind.

Durch europäische Siedler und ihre Pflanzen wurden jedoch mehrere Regenwurmarten nach Nordamerika eingeschleppt. Heute werden sie vor allem von Anglern weiter verbreitet. Dadurch schiebt sich eine Regenwurm-Invasion wie eine Front mit etwa fünf Metern pro Jahr durch die nordamerikanischen Wälder und verändert die physikalischen und chemischen Eigenschaften der Böden. Diese werden nun stärker durchmischt und von Gängen durchzogen.

Veränderte Böden

Doch das, was unseren Böden guttut, bereitet den nordamerikanischen Böden und vor allem den auf ihnen wachsenden Pflanzen Probleme. Denn die dort etablierte Symbiose zwischen Pflanzen und Pilzen wird durch die Neuankömmlinge empfindlich gestört. Gleichzeitig bringen die Regenwürmer basischeren Boden aus tieferen Schichten nach oben und verändern so den pH-Wert des Bodens.

Am Waldboden verschwindet zudem die Laubstreu, weil sie von den Würmern gefressen und in Humus umgewandelt wird. Die in den Blättern gespeicherten Nährstoffe stehen den Pflanzen dann schneller zur Verfügung als diese sie aufnehmen können. Außerdem trocknen die Böden rascher aus, weil Wasser im von den Würmern gelockertem Untergrund schneller abfließt. Viele einheimische Pflanzen können unter diesen ungewohnten Bedingungen schlechter wachsen.

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Artenvielfalt der Waldpflanzen sinkt

Wie sich die Regenwurm-Invasion auf die nordamerikanische Waldvegetation auswirkt, haben nun Dylan Craven vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) an der Universität Leipzig und seine Kollegen genauer untersucht. Ihre Ergebnisse belegen erstmals, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Artenvielfalt in nordamerikanischen Wäldern und der Ausbreitung europäischer Regenwürmer gibt.

„Die Regenwurm-Invasion verändert die Biodiversität und möglicherweise das Funktionieren der Wald-Ökosysteme, denn sie wirkt in das gesamte Nahrungsnetz hinein und beeinflusst Wasser- und Nährstoffkreisläufe“, sagt Craven. So wachsen beispielsweise der Koboldfarn (Botrychium mormo) oder die Waldlilie (Trillium) kaum noch in Wäldern, die von Würmern heimgesucht werden. Umgekehrt fördern die Würmer den Boden die Ausbreitung von Gras und nichtheimischen Pflanzen, wie die Forscher feststellten.

Die Regenwürmer fressen aber auch kleine Samen bestimmter Pflanzenarten und nehmen so direkten Einfluss auf die Zusammensetzung der Bodenvegetation. Je mehr Arten von Regenwürmern gemeinsam an einem Standort vorkommen, umso mehr Pflanzen verschwinden, berichten Craven und seine Kollegen. Denn verschiedene Regenwurmarten leben in unterschiedlichen Bodenschichten und ihre Effekte addieren daher.

Quelle: Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig, Fachartikel: Global Change Biology, doi: 10.1111/gcb.13446

© natur.de – Nadja Podbregar
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