Wunden unter Strom - wissenschaft.de
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Wunden unter Strom

Die Heilung von Wunden kann mit elektrischem Strom beschleunigt werden. Das hat ein Team von Wissenschaftlern aus vier Nationen in einer Laborstudie nachgewiesen. Die Forscher konnten mithilfe von Strom die Bewegungen der Zellen kontrollieren und somit beeinflussen, wie und wie schnell die Wunde heilen sollte. Mit den Resultaten können neue Behandlungsmethoden für chronische Wunden und andere Verletzungen entwickelt werden, hoffen die Wissenschaftler.

Bei der Wundheilung setzen die verletzten Zellen Substanzen frei, die gesunde Zellen anlocken. Lagern sich diese an das Gewebe der Wundränder an, beginnt sich die Wunde zu verschließen. Bereits im 19. Jahrhundert konnte der deutsche Physiologe Emil Du Bois-Reymond zeigen, dass in der Umgebung von Wunden natürlicherweise elektrische Ströme fließen. Heute nehmen Biologen an, dass die elektrischen Felder bei der Heilung als Lotsen fungieren und die Zellen an den Ort lenken, an dem sie gebraucht werden. Ein Beweis für diese Theorie fehlte aber bisher.

Die elektrischen Felder bei Wunden entstehen mithilfe so genannter Ionenpumpen. Das sind Eiweiße in der Zellmembran, die positiv geladenes Natrium und negativ geladenes Chlor aus der beziehungsweise in die Zelle transportieren. Um die Rolle des elektrischen Feldes für die Wundheilung zu untersuchen, gaben die Forscher um Min Zhao nun auf die verwundete Hornhaut von Ratten bestimmte Substanzen, die den Transport der elektrisch geladenen Moleküle verstärkten oder abschwächten. „Wenn wir die Kraft der Ionenpumpen verstärkten, erhöhten wir den elektrischen Strom an der Wunde, was wiederum den Heilungsprozess beschleunigte“, erklärt Zhao seine Beobachtung.

In einem weiteren Versuch legten die Wissenschafter ein elektrisches Feld an eine Hautwunde an und konnten damit die Bewegung der Zellen und damit den Heilungsprozess kontrollieren. Sie stellten fest, dass sich die an der Wundheilung beteiligten Zellen am schnellsten bei einem elektrischen Feld von 100 bis 200 Millivolt pro Kubikmillimeter bewegten. Die natürlicherweise bei Wunden vorkommende Feldstärke beträgt hingegen rund 42 bis 11 Millivolt pro Kubikmillimeter. Auch entdeckten Zhao und seine Mitarbeiter die beiden Gene, die als Reaktion auf die elektrischen Ströme den Wundheilungsprozess steuern. Die Forscher wollen nun als nächstes herausfinden, ob die im Labor getesteten Substanzen künftig vielleicht einmal zur Behandlung von Augenverletzungen eingesetzt werden können.

Min Zhao (Universität von Aberdeen) et al.: Nature, Bd. 442, S. 457 ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi
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Ome|ga–3–Fett|säu|re  〈f. 19; Biochem.〉 eine ungesättigte Fettsäure, die in verschiedenen Pflanzenölen (z. B. Hanf–, Lein–, Raps–, Soja–, Walnussöl) u. in Speisefischen (z. B. Hering, Lachs, Makrele, Thunfisch) enthalten ist

Fä|kal|spra|che  〈f. 19; unz.〉 Ausdrucksweise, in der Wörter bevorzugt werden, die mit den Fäkalien u. Ausscheidungsorganen zusammenhängen; Sy Skatologie ( ... mehr

♦ Te|le|skop|an|ten|ne  〈f. 19〉 Antenne, die aus mehreren ineinanderschiebbaren Metallrohren besteht

♦ Die Buchstabenfolge te|le|sk… kann in Fremdwörtern auch te|les|k… getrennt werden.
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