Zahnpasta und Seife mit Schattenseite - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Gesundheit+Medizin Umwelt+Natur

Zahnpasta und Seife mit Schattenseite

14-11-18-triclosan.jpg
In vielen antibakteriellen Seifen ist Triclosan enthalten (thinkstock)
Die Chemikalie Triclosan findet sich in Zahnpasta, antibakteriellen Seifen, Shampoos und vielen anderen Haushaltsprodukten. Sie soll Mikroben abtöten und zur Desinfektion beitragen. Doch dieser Inhaltsstoff enthüllt immer mehr Schattenseiten: Aktuelle Versuche mit Mäusen deuten darauf hin, dass die Chemikalie nicht nur Muskelschwäche auslösen kann, sondern auch die Leber schädigt. Möglicherweise könnte Triclosan dadurch sogar zur Entstehung von Leberkrebs beitragen, warnen die Forscher. Es sei daher dringend geraten, bei weitverbreiteten Konsumartikeln auf diese Chemikalie zu verzichten.

Ursprünglich wurde Triclosan 1972 als antimikrobieller Wirkstoff für Krankenhäuser und speziell die Chirurgie entwickelt. Doch inzwischen wird diese Chemikalie längst auch in einer Vielzahl von Alltagsprodukten eingesetzt. So ist Triclosan in Zahnpasta und antiseptischen Hautcremes enthalten, es findet sich aber auch als Konservierungsmittel in Kosmetika, als Zusatz in Flüssigseifen und Deodorants, sowie in antimikrobiellen Textilien oder Kunststoff-Schneidebrettern für die Küche. Die Konzentration des Triclosans in diesen Produkten darf in Deutschland je nach Anwendung bis zu 0,5 Prozent betragen. Weltweit werden inzwischen rund 1.500 Tonnen dieser Chemikalie produziert und gelangen über Abwässer und andere Quellen auch zunehmend in die Umwelt. Auch in Blut, Muttermilch und Urin von nahezu allen getesteten Menschen haben Studien bereits Triclosan nachgewiesen.

„Bisher galt Triclosan allgemein als gut verträglich und sicher“, erklären Mei-Fei Yueh von der University of California in San Diego und ihre Kollegen. Doch schon vor zwei Jahren zeigten Studien mit Mäusen, dass Triclosan die Muskelfunktion drastisch beeinträchtigen kann – und dies schon in Dosierungen, wie sie auch im menschlichen Blut nachgewiesen wurden. Die Studie von Yueh und ihren Kollegen enthüllt nun eine weitere negative Wirkung von Triclosan auf die Gesundheit. Für ihre Studie verabreichten die Forscher einer Gruppe von jungen Mäusen acht Monate lang Futter, das mit 0,08 Prozent Triclosan versetzt war. Anschließend untersuchten sie den Zustand ihrer Leber und die Genexpression der Leberzellen.

Leberfibrose und vielleicht sogar Leberkrebs

Die Untersuchung ergab: Bei den mit Triclosan gefütterten Mäusen war die Leber ungewöhnlich vergrößert. Zudem waren in den Leberzellen Gene aktiv, die die Zellteilung anregen, aber auch zu einer Leberfibrose führen. Bei dieser von Entzündungen begleiteten krankhaften Veränderung wird zunehmend Lebergewebe in Kollagen umgewandelt. Dies beeinträchtigt die blutreinigende Funktion der Leber und kann langfristig zu Leberkrebs führen, wie die Forscher erklären. In einem weiteren Versuch erwiesen sich Mäuse, die Triclosan erhalten hatten, als anfälliger gegenüber einem krebserregenden Medikament. Sie bildeten mehr und größere Tumore aus als die Kontrolltiere, die nur das Karzinogen erhalten hatten.

Nach Ansicht der Forscher deuten ihre Ergebnisse darauf hin, dass eine langfristige Belastung durch Triclosan auch beim Menschen Leberfibrose und andere entzündliche Veränderungen der Leber verursachen kann. „Es ist angeraten zu überprüfen, ob eine Langzeit-Exposition gegenüber Triclosan auch beim Menschen ein Risikofaktor für Leberfibrose ist“, so Yueh und ihre Kollegen. Sie halten es aber durchaus für wahrscheinlich, dass die Chemikalie auch das Risiko für Leberkrebs beim Menschen deutlich erhöhen kann. „In Anbetracht der Allgegenwart von Triclosan erwarten wir, dass ein von dieser Chemikalie induzierter Leberkrebs beim Menschen genauso auftreten kann wie bei den Mäusen.“ Sie halten es daher für sinnvoll, zumindest bei Alltagsprodukten auf diese Chemikalie zu verzichten.

Anzeige

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

De|lo|ka|li|sa|ti|on  〈f. 20; Chem.〉 (bei ungesättigten organ. Verbindungen mit konjugierten Doppelbindungen) Erscheinung, dass Elektronen in Form einer Elektronenwolke über dem Molekül verteilt u. nicht zw. bestimmten Kohlenstoffatomen lokalisiert sind

Fuch|sin  〈[–ks–] n. 11; unz.〉 für Druckfarben u. zur Anfärbung biologischer Präparate verwendeter Farbstoff [nach den Blüten der Fuchsia, Fuchsie ... mehr

Un|fug  〈m.; –s; unz.〉 1 〈Rechtsw.〉 öffentl. Ärgernis erregendes, die Allgemeinheit belästigendes Benehmen, bewusste Störung der öffentl. Ordnung 2 〈umg.〉 Schabernack, Dummheiten, Unsinn ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige