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Zebrastreifen: Von wegen Tarnung

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Ein Zebra vor einem Gerät zur Farb-Kalibrierung. (Foto: Tim Caro/UC Davis)
Bei dem berühmten Markenzeichen des Zebras handelt es sich um ein kurioses Tarnverfahren, so die gängige Theorie: Die Streifen lassen angeblich die Konturen der Tiere im Blick von Räubern verschwimmen. Diese Funktion kann die Zeichnung aber gar nicht erfüllen, ergab nun eine Studie. Möglicherweise dient sie deshalb nur einem Effekt, über den das gleiche Forscherteam bereits 2014 berichtet hat: Das Streifenmuster hält blutsaugenden Insekten fern.

Bei dem berühmten Markenzeichen des Zebras handelt es sich um ein kurioses Tarnverfahren, so die gängige Theorie: Die Streifen lassen angeblich die Konturen der Tiere im Blick von Räubern verschwimmen. Diese Funktion kann die Zeichnung aber gar nicht erfüllen, ergab nun eine Studie. Möglicherweise dient sie deshalb nur einem Effekt, über den das gleiche Forscherteam bereits 2014 berichtet hat: Das Streifenmuster hält blutsaugenden Insekten fern.

Die Frage nach dem Zweck des seltsamen Kostüms des Zebras hat lange Tradition: Innerartliche Kommunikation, der Schutz vor Insekten, Verwirrung von Feinden und vor allem Tarnung galten bisher als mögliche Erklärungen. Als eine Art Grundfunktion galt dabei bislang der Tarneffekt: Die Streifen mögen zwar auf den ersten Blick besonders auffällig wirken – in den Weiten der Savanne könnten sie aber die Konturen der Tiere auflösen und sie so für Löwen oder Hyänen schwer erkennbar machen, so die Annahme.

Wozu das seltsame Kostüm?

Ergebnisse der letzten Jahre stärkten allerdings auch die Parasiten-Theorie als wichtigen Zweck der Streifen: Experimente hatten gezeigt, dass Tsetsefliegen und andere blutsaugende Insekten schwarz-weiß gestreifte Oberflächen meiden. Eine Studie der Forscher um Tim Caro von der University of California in Davis kam 2014 dann zu dem Schluss, dass diese Funktion die ausschlaggebende sein könnte. Ob allerdings nicht zusätzlich ein Tarneffekt vorliegt, blieb unklar. Dieser Frage haben sich Caro und seine Kollegen nun gezielt gewidmet.

Um zu testen, inwieweit die Streifen einen Tarneffekt vor dem Hintergrund der Savanne vermitteln können, analysierten die Forscher Aufnahmen von Zebras in Tansania. Sie simulierten dabei, wie die Streifen bei unterschiedlichen Bedingungen auf Löwen und Hyänen wirken würden – den wichtigsten Fressfeinden der Zebras. Informationen über das Sehvermögen dieser Raubtiere bildeten dafür die Grundlage. „Wir haben Berechnungen durchgeführt, durch die wir einschätzen konnten, bei welchen Entfernungen Löwen, Hyänen und auch Zebras die Streifen bei Tageslicht, Dämmerung und in der Nacht sehen können“, erklärt Co-Autorin Amanda Melin von der University of Calgary.

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Keine Hinweise auf Tarneffekte

Fazit: „Wir haben keinerlei Hinweise dafür gefunden, dass die Streifen irgendeinen Tarneffekt gegenüber Raubtieren vermitteln“, so Caro. Konkret: In einer Entfernung, in der die Streifen einen Effekt haben könnten, würden die Raubtiere die Zebras auch schon hören und riechen. Den Forschern zufolge können Löwen die Konturen von Zebras außerdem genauso gut sehen wie die von ähnlich großen Beutetieren ohne Streifen, wie Wasserböcken oder Impala-Antilopen. „Wir halten deshalb die Hypothese, die schon von Charles Darwin und Alfred Russel Wallace angeführt wurde, für falsch“, resümiert Caro.

Somit spricht das Ergebnis nun dafür, dass nicht Tarnung, sondern der Insektenschutz der maßgebende Treiber hinter der markanten Zeichnung war. Dies legten bereits die Ergebnisse der Forscher von 2014 nahe. Sie hatten bei dieser Studie die Eigenschaften der Fellzeichnungen und die Verbreitungsgebiete der sieben Zebraarten erfasst, sowie die von weiteren Pferde- und Esel-Arten. Neben den Zebras weisen nämlich auch andere Vertreter der Pferdeartigen teilweise Streifenzeichnungen auf: Beispielsweise besitzt sie der Afrikanische Esel an den Beinen. Das Ausmaß der Schwarz-Weiß-Zeichnung verglichen die Wissenschaftler dann mit Gefahren durch große Raubtiere sowie den Verbreitungsgebieten von blutsaugenden Insekten wie der Tsetsefliege und der Bremse.

Insektenschutz-Theorie untermauert

Ihr Ergebnis lautete: Je mehr blutsaugende Insekten es im jeweiligen Verbreitungsgebiet eines pferdeartigen Tieres gibt, desto ausgeprägter sind die Streifenmuster. Der Faktor Blutsauger erklärt deshalb plausibel die Verbreitung der Streifenmuster. Wäre die Zeichnung hingegen tatsächlich ein so ideales Tarnverfahren, müsste es sich bei allen Arten durchgesetzt haben, die von Raubtieren bedroht werden und in ähnlicher Vegetation leben. Die Ergebnisse der aktuellen Studie scheinen diese Schlussfolgerungen nun weiter zu bestätigen: Sie entziehen der Tarn-Hypothese die Grundlage.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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