Zielerfassung bei Schützenfischen - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Zielerfassung bei Schützenfischen

Schützenfische erlegen ihre Beute außerhalb des Wassers, indem sie sie durch einen gezielten Wasserstrahl abschießen. Dabei können sie Größe und Position des potenziellen Futters erstaunlich präzise abschätzen, obwohl das Bild an der Wasseroberfläche extrem verzerrt wird. Dazu lernen die Fische, die tatsächliche Größe ihrer Beute und nicht nur die Relation von Größe und Entfernung einzuschätzen. Das berichten Stefan Schuster von der Universität Erlangen-Nürnberg und seine Kollegen von der Universität Freiburg in der Fachzeitschrift Current Biology (Bd. 14, S. 1565).

In ihren Experimenten trainierten Schuster und seine Kollegen die Fische darauf, Jagd auf 2 bis 30 Millimeter große schwarze Pappscheiben in unterschiedlichen Entfernungen zu machen. Die Fische bekamen immer nur einzelne Scheiben präsentiert, damit sie keinen relativen Größenvergleich hatten und lediglich die objektive Größe der Scheiben bestimmen konnten. Nur der Abschuss des 6-Millimeter-Scheibchens wurde dabei mit einer leckeren Fliege belohnt. Dann trainierten die Forscher die Fische um, diesmal auf ein Scheibchen von 10 Millimeter Größe. Dieses bekamen sie zunächst nur auf nähere Entfernungen zu sehen, da die Scheibe auf weitere Distanz leicht mit der 6-Millimeter-Scheibe zu verwechseln gewesen wäre.

Als die Wissenschaftler den Schützenfischen zusätzlich zu anderen Scheiben die neue Scheibe dann auch auf weitere Entfernungen präsentierten, nahmen sie die neu erlernte weiterhin zielsicher aufs Korn. Die Fische hatten demnach gelernt, die objektive Größe des Objekts einzuschätzen, schließen die Biologen. Sie begreifen also das Prinzip, nach dem Größe und Entfernung zusammenhängen und können diese Regel auch auf neue Situationen anwenden, die sie noch nicht erlebt haben. Wie genau die Tiere das schaffen, können die Biologen allerdings noch nicht erklären.

Viele Tiere können die absolute Größe eines Objektes einschätzen. Das ist eine besonders bei der Jagd entscheidende Fertigkeit. Das visuelle System muss dazu die Entfernung des Objektes mit der Größe des Bildes auf der Netzhaut verrechnen. Diese Fähigkeit steht bei Schützenfischen vor einer besonderen Herausforderung, da das Bild des außerhalb des Wasser befindlichen Opfers an der Wasseroberfläche zusätzlich extrem verzerrt wird.

ddp/bdw ? Cornelia Dick-Pfaff
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