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Mit Naturschutz gegen Corona und Co

Zoonosen: Gefahr durch Wildtierhandel

Auf einigen Märkten Asiens werden Wildtiere für den Verzehr oder zur Verwendung in der traditionellen Medizin gehandelt. (Bild: Nikada/iStock)

Wildtiere als Seuchenquellen: Zum „Jubiläum“ des Beginns der Corona-Pandemie im chinesischen Wuhan verdeutlicht die Naturschutzorganisation WWF die anhaltende Gefahr einer Neuentwicklung von Zoonosen durch den Wildtierhandel in Asien. Die Analyse zeigt auf, dass hunderte von Wildtiermärkten in Gebieten mit einem besonders hohen Risiko für die Tier-Mensch-Übertragung von gefährlichen Erregern liegen. Zudem hebt der WWF weitere Gründe für die Zunahme des Zoonose-Risikos hervor und zeigt den Handlungsbedarf in vielen südostasiatischen Staaten auf. Das Fazit lautet dabei: Naturschutz ist auch Gesundheitsvorsorge.

Vor rund einem Jahr begann sich das Drama immer mehr zu entfalten: In der chinesischen Stadt Wuhan breitete sich eine neue Lungenerkrankung aus – anschließend entwickelte sich daraus eine weltweite Pandemie, die uns bekanntlich noch immer schwer zu schaffen macht. Experten zufolge könnten allerdings noch deutlich schlimmere Viren als Sars-CoV-2 auf uns zukommen, denn das Potenzial für die Neuentwicklung von Erregern dieser Art bleibt erhalten. Inzwischen gilt es als gesichert, dass das Sars-CoV-2-Virus ursprünglich von einem Wildtier auf den Menschen übergesprungen ist. Man geht davon aus, dass es sich bei über 60 Prozent der neu auftretenden Infektionskrankheiten um solche sogenannte Zoonosen handelt. Deshalb ist ein Blick auf die Wurzeln dieser Erkrankungen so wichtig.

Übertragungsherde im Visier

Sie entstehen dort, wo Mensch und Tier in engen Kontakt miteinander kommen. Dabei geht von Nutztieren ein Risiko aus, aber auch von Wildtieren, wenn sie etwa auf Märkten gehandelt werden. Schon lange galten China und einige Länder Südostasiens in diesem Zusammenhang als Hotspots bei der Gefahr der Entwicklung von Zoonosen. Anlässlich des Beginns der Ausbreitung von Sars-CoV-2 vor etwa einem Jahr hat sich der WWF deshalb nun erneut mit dem Wildtierhandel in Südostasien beschäftigt. Der Fokus lag dabei auf der Mekong-Region, die verschiedene Staaten umfasst.

Die Analyse verdeutlicht vor allem: Es gibt in der Region Hunderte von Märkten in Großstädten, die sich in Bereichen mit besonders hohem Zoonose-Risiko befinden. Dort werden lebende Wild- und Nutztiere nebeneinander verkauft und geschlachtet – zu Nahrungszwecken oder zur Verwendung in der traditionellen Medizin. „Große Märkte mit niedrigen Hygienestandards, auf denen Wildfleisch verkauft wird, sind besonders riskant für die Übertragung von Zoonosen“, sagt Stefan Ziegler vom WWF Deutschland. Ein Problem ist auch, dass vor allem in den ländlichen Gegenden viele Menschen noch immer für ihre Nahrungsversorgung auf Wildtiere angewiesen sind. Sie werden jedoch auch zunehmend für den Verkauf auf den städtischen Märkten gejagt, um eine Einnahmequelle zu schaffen. Unter den vielen verschiedenen Wildtierarten, die gehandelt werden, sind dabei häufig auch Nagetiere und Fledermäuse, die als Quellen für besonders gefährliche Erreger gelten.

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Artenschutz als Gesundheitsvorsorge

Um dem Problem entgegenzutreten, sollten der Arten- beziehungsweise Naturschutz mit der öffentlichen Gesundheitsvorsorge Hand in Hand gehen, schreibt der WWF: Die Unterbindung des illegalen und unregulierten Wildartenhandels ist dabei ebenso wichtig wie die Durchsetzung von Hygiene- und Sicherheitspraktiken auf den Wildtiermärkten und in Restaurants. Auch Verbraucheraufklärung könnte wichtige Beiträge leisten, betont die Naturschutzorganisation.

Auf der Entscheidungsebene gibt es zwar bereits einige Fortschritte im Kampf gegen die Zoonose-Risiken. Doch in den südostasiatischen Staaten gibt es häufig zu wenig finanzielle Mittle für die Maßnahmen und Einrichtungen, die geltendes Recht durchsetzen, den Handel mit Wildtieren überwachen und für bessere Standards sorgen sollen. „Was im Verborgenen geschieht und im Dunkel bleibt, ist riskant. Der Schmuggel von Wildtieren jenseits aller Kontrollen und Regularien kann ein idealer Nährboden für Virensprünge von Tier zum Menschen sein“, warnt Ziegler.

Neben dem Wildtierhandel macht der WWF auch auf ein weiteres grundlegendes Problem im Zusammenhang mit Zoonosen aufmerksam: Südostasien ist von einer massiven Entwaldung betroffen. Zwischen 1990 und 2010 gingen dort etwa 32 Millionen Hektar Wald verloren. „Wenn Lebensräume zerstört werden und natürliche Barrieren wegfallen, bringt das Arten in Kontakt zueinander, die vorher nicht im Kontakt waren. Werden dort neue Siedlungsräume geschaffen, entsteht eine neue, räumliche Nähe zum Menschen und seinen Nutztieren“, erklärt Ziegler. Somit kann die Zerstörung von Naturräumen auch zu einem erhöhten Risiko für die Entstehung neuer Krankheiten führen. Unterm Strich wird somit deutlich: Tier- und Naturschutz sind auch Maßnahmen zur menschlichen Gesundheitsvorsorge, resümiert der WWF.

Quelle: WWF, WWF-Analyse

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