Vögel bilden beim Flug neue Gehirnzellen Zugvögel: Weitflieger sind schlauer - wissenschaft.de
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Vögel bilden beim Flug neue Gehirnzellen

Zugvögel: Weitflieger sind schlauer

Drosselrohrsänger
Der Drosselrohrsänger überwintert in Afrika. (Foto: Alexander Erdbeer/ Fotolia)
Zugvögel legen jedes Jahr enorme Strecken zurück, um zu ihren Winterquartieren und zurück zu gelangen. Jetzt zeigt sich, dass dies ihr Gehirn prägt: Je weiter ein Vogel fliegt, desto mehr neue Gehirnzellen bildet er.

Turteltauben und Rohrsänger gehören zu den Zugvögeln, die in Europa brüten, aber in Afrika überwintern. Um dorthin und zurück zu gelangen, legen sie entsprechend große Strecken zurück – und müssen dabei nicht nur richtig navigieren, sondern auch jeder Menge Gefahren ausweichen. Wie diese Erfahrungen die Vögel prägen und vor allem ihr Gehirn beeinflussen, hat nun erstmals ein internationales Forschertram untersucht.

Für ihre Studie fingen die Forscher zwölf Turteltauben und sechs Rohrsänger während ihrer Rückkehr aus Afrika bei einer Rast in Israel ab. Über die Isotopenanalyse ihrer Federn bestimmten sie, wo die Vögel überwintert hatten und konnten so feststellen, wie weit die einzelnen Tiere geflogen waren. Dann untersuchten die Wissenschaftler mit Hilfe spezieller Markierungsmittel, wo im Gehirn wie viele neue Neuronen gebildet worden waren.

Je länger der Flug, desto mehr neue Gehirnzellen

Die Theorie dahinter: Wenn Tiere und Menschen lernen, bilden sich nicht nur neue Verbindungen in ihrem Gehirn, es reifen auch neue Gehirnzellen aus Vorläuferzellen heran. Theoretisch könnten sich die vielen lehrreichen Erfahrungen, die die Vögel während des Vogelzuges machen, auch an neubildeten Hirnzellen ablesen lassen.

Und tatsächlich: Wie sich zeigte, hatten die Zugvögel alle neue Gehirnzellen gebildet. Dabei fanden die Forscher umso mehr neue Neuronen, je weiter die einzelnen Tiere geflogen waren. „Das ist eine aufregende neue Erkenntnis, die auch weitere Forschungswege eröffnet“, sagt Uri Roll von der University of Oxford. „Denn auch was wir Menschen tagsüber so tun, könnte uns demnach vielleicht schlauer machen.“

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Nachtflieger und Schwarmreisende

Interessanterweise entdeckten die Wissenschaftler auffallende Unterschiede zwischen den beiden Vogelarten: Bei den Turteltauben lagen die neugebildeten Neuronen in einem Areal, das vor allem für die Kommunikation zuständig ist. Bei den Rohrsängern waren die Gehirnzellen vor allem im Hippocampus nachgewachsen.

Eine Erklärung dafür liefert das unterschiedliche Zugverhalten der beiden Arten: Turteltauben fliegen im Schwarm und müssen sich daher unterwegs ständig mit ihren „Mitreisenden“ absprechen und verständigen. Die Rohrsänger ziehen dagegen einzeln und fliegen dabei vorwiegend nachts. Ihre Navigationsfähigkeiten müssen daher besonders ausgeprägt sein – und für diese ist unter anderem der Hippocampus zuständig.

Das passt gut zu den Ergebnissen früherer Studien zu neuronalen Veränderungen bei Vögeln: „Es gibt beispielsweise Hinweise, dass Vögel, die Futter verstecken, neue Neuronen in den Hirnarealen bilden, die für Gedächtnis und räumliche Orientierung zuständig sind“, erklärt Roll.

Quelle: University of Oxford, Fachartikel: Scientific Reports 21983

© natur.de – Nadja Podbregar
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