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Zusammenarbeit mit Freunden entspannt auch Affen

Javaneraffen
Enge Freunde: zwei Javaneraffen. (Bild: Animal Ecology/ Universiteit Utrecht)

Arbeitsstress lässt sich gemeinsam oft leichter ertragen als allein – das spüren auch Affen, wie nun ein Experiment mit Makaken demonstriert. Sollten diese Affen eine Aufgabe allein bewältigen, setze sie dies unter Stress. Kooperierten sie aber dabei mit einem befreundeten Artgenossen, sank das Niveau des Stresshormons Cortisol deutlich ab. Ausschlaggebend für diesen entspannenden Effekt war aber das Zusammenarbeiten – die bloße Anwesenheit des Freundes reichte nicht.

Gerade während der Wochen des Lockdowns zur Bekämpfung der Corona-Pandemie mussten viele Berufstätige im Homeoffice arbeiten. Sie saßen alleine zuhause, statt im Büro in engem Kontakt mit ihren Kollegen zu sein. Das kann bei Konflikten im Team zwar Vorteile haben, häufig aber ist das isolierte Arbeiten eine erhöhte Belastung. Denn mal eben etwas Nachfragen oder sich gemeinsam einer Aufgabe zu widmen ist unter diesen Umständen trotz Videokonferenzen erheblich erschwert. Die soziale Isolation und die eingeschränkten Möglichkeiten der Kooperation führen zu Stress.

Kooperation, soziale Nähe und Stress

Damit sind wir Menschen offenbar kein Einzelfall, wie Martina Stocker von der Universität Wien und ihre Kollegen nun in einem Experiment mit Javaneraffen (Macaca fascicularis) herausgefunden haben. Sie wollten wissen, welchen Einfluss die Kooperation und die soziale Beziehung auf das Stressniveau dieser Affen haben. Schon länger ist bekannt, dass die Anwesenheit von Freunden einen positiven, entspannenden Einfluss auf die meisten Primaten hat. Körperliche Nähe, die gegenseitige Fellpflege oder einfach die Anwesenheit senken den Stresspegel. Gleichzeitig zeigen sich viele Tierarten kooperativer, wenn sie mit einem befreundeten Artgenossen zusammenarbeiten sollen.

„Wir wollten deshalb den Zusammenhang zwischen der Kooperation, der sozialen Beziehung und dem Niveau des Stresshormons Cortisol bei Javaneraffen untersuchen“, so die Forscher. Für ihr Experiment brachten sie den Affen zunächst bei, sich durch Ziehen eines Seils eine Belohnung zu verschaffen. In Kontrollversuchen sollten sie diese Aufgabe zunächst entweder allein bewältigen oder während ein Artgenosse im Käfig nebenan saß. Im Kooperationstest jedoch änderte sich dies: Nun kam die Belohnung nur dann in Reichweite, wenn zwei Affen zusammenarbeiteten, indem beide jeweils ihr Ende des Seils gleichzeitig zu sich herzogen. Vor und nach jedem Durchgang nahmen die Forscher Speichelproben und bestimmten so den Gehalt des Stresshormons Cortisol.

Kooperation senkt Stress, Nähe allein nicht

Die Versuche zeigten Überraschendes. Denn entgegen den Erwartungen reichte die passive Anwesenheit eines befreundeten Artgenossen nicht aus, um das Stressniveau der Affen zu senken. Saß der Freund nur daneben, während der Proband am Seil zog, entspannte sich dieser nicht – selbst wenn er seine Belohnung bekam. Anders war dies jedoch, wenn beide Affen aktiv kooperierten und die Seilaufgabe gemeinsam lösten: Dann sanken ihre Cortisolwerte deutlich, wie Stocker und ihr Team feststellten. „Das deutet darauf hin, dass es das kooperative Handeln mit einem befreundeten Artgenossen ist und nicht nur seine bloße Präsenz, die für die Cortisolsenkung entscheidend ist“, so die Forscher.

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Ebenfalls unerwartet war die Beobachtung, dass die Enge der Bindung zwischen den beiden Partnern keine Auswirkung darauf hatte, ob sie überhaupt kooperierten oder nicht. „Das widerspricht Studien mit Schimpansen oder Berberaffen, die einen positiven Effekt der sozialen Nähe auf die Kooperation festgestellt haben“, erklären die Wissenschaftler. Allerdings: Wenn die Javaneraffen dann zusammenarbeiteten, entspannten sich Freundespaare dabei stärker als nur lose Bekannte, wie die Cortisolwerte zeigten. Stocker und ihr Team vermuten, dass das „Kuschelhormon“ Oxytocin für diesen Effekt eine wichtige Rolle spielen könnte. Möglicherweise wird es verstärkt bei der Kooperation ausgeschüttet und trägt dann zur Stresssenkung bei. Ob das so ist, müssen aber erst weitere Studien zeigen.

Insgesamt jedoch demonstriert das Experiment, dass eine Kooperation auch bei Affen zum Stressabbau beiträgt. Umgekehrt könnte dieser Effekt vielleicht sogar eine der Triebkräfte der Kooperation sein: „Dieser entspannende Effekt von kooperativen Interaktionen mit befreundeten Individuen könnte die Ursache sein für die Aufrechterhaltung langfristiger Zusammenarbeit, wie sie bei diesen Makaken, aber möglicherweise auch bei anderen Arten und/oder Menschen zu finden ist“, sagt Stocker.

Quelle: Universität Wien; Fachartikel: Royal Society Open Science, doi: 10.1098/rsos.191056

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