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Zweitgrößte Kaiserpinguin-Kolonie kollabiert

Kaiserpinguin
Kaiserpinguine sind zum Brüten und für die Jungenaufzucht auf stabiles Meereis angewiesen. (Bild: vladsilver/ istock)

Lange Zeit war sie die zweitgrößte Kaiserpinguin-Kolonie der Welt. Doch nun ist von der Pinguinpopulation in der antarktischen Halley Bay fast nichts mehr übrig. Wie Satellitenaufnahmen zeigen, ist die Kolonie seit 2016 dramatisch geschrumpft. Der Grund: Drei Jahre in Folge blieb der Bruterfolg bei den Tieren fast vollständig aus und kaum ein Küken überlebte. Schuld daran scheint ein vorzeitiger Einbruch des Meereises zu sein, auf dem die Pinguine brüten. Ob allerdings der Klimawandel dafür verantwortlich ist, können die Forscher nicht sagen.

Sie sind die größten im Reich der Pinguine: Kaiserpinguine (Aptenodytes forsteri) erreichen stattliche Körpermaße von 100 bis 130 Zentimetern und sind in den kalten Gewässern der antarktischen Zone zuhause. Spätestens seit dem mit einem Oscar ausgezeichneten Dokumentarfilm „Die Reise der Pinguine“ haben die Riesen im Frack weltweite Bekanntheit erlangt und die Herzen vieler Menschen erobert. Doch wie viele ihrer Verwandten auch geraten die Kaiserpinguine zunehmend in Bedrängnis. Schon seit einigen Jahren warnen Forscher, dass der Rückgang des Meereises durch den Klimawandel den Tieren ihre Brutplätze und Nahrungsgrundlage nehmen könnte. Denn diese Pinguinart ist für die Aufzucht ihres Nachwuchses auf lange haltende, intakte Meereisflächen angewiesen.

Beispielloser Zusammenbruch

Wie es den Pinguinen geht, haben Peter Fretwell und Philip Trathan vom Britisch Antarctic Survey in Cambridge nun am Beispiel einer Kolonie in der Halley Bay genauer untersucht. Die Brutstätte im antarktischen Weddell-Meer war bisher die zweitgrößte Kaiserpinguin-Kolonie der Welt. Jedes Jahr versammelten sich zwischen 14.000 und 25.000 Brutpaare dort – das sind rund fünf bis neun Prozent der globalen Population. Für ihre Studie beobachteten die Wissenschaftler mithilfe von hochaufgelösten Satellitenaufnahmen, wie sich diese Kolonie in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat. „Unsere spezielle Satellitenanalyse kann Individuen und Pinguingruppen sichtbar machen. Anhand der Dichte der Gruppen lässt sich die Größe der gesamten Population gut abschätzen“, erklärt Fretwell.

Die Aufnahmen offenbarten, dass es seit 2009 immer wieder zu jährlichen Schwankungen der Pinguinzahlen kam. Besonders alarmierend aber waren die Daten aus 2016, 2017 und 2018: In diesen drei aufeinanderfolgenden Jahren brach die Population dramatisch ein und der Bruterfolg blieb aus. Fast keines der Küken habe in dieser Zeit überlebt, berichtet das Forscherteam. „Die Bilder zeigen ein katastrophales Aufzuchtversagen“, sagt Fretwell. „So ein umfassender und anhaltender Brutmisserfolg ist beispiellos für diese Kolonie“, ergänzt Trathan. Wie lässt sich diese dramatische Entwicklung erklären?

Zuflucht in anderer Kolonie

Die Wissenschaftler bringen das Phänomen mit lokalen Veränderungen des Meereises in Zusammenhang. Wie sie betonen, sind brütende Kaiserpinguine auf eine stabile Eisbedeckung angewiesen. Diese muss von der Ankunft der Vögel im April bis zum Flüggewerden ihrer Küken im Dezember verfügbar sein. Doch genau diese Voraussetzung war im Jahr 2016 zum ersten Mal seit sechs Jahrzehnten nicht mehr gegeben: Extrem stürmisches Wetter durch einen starken El Nino und eine insgesamt dünne Eisschicht führten damals dazu, dass das Meereis bereits im Oktober aufbrach – viel zu früh für den Pinguinnachwuchs. Dieses Muster wiederholte sich in den darauffolgenden zwei Jahren und brachte fast allen Küken den Tod.

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Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Zeitgleich mit dem drastischen Einbruch der Halley-Bay-Kolonie verzeichnete eine andere von den Wissenschaftlern beobachtete Pinguinpopulationen deutlichen Zuwachs. Demnach hat sich die Zahl der Tiere in der 55 Kilometer weiter südlich gelegenen Dawson-Lambton-Kolonie in dem fraglichen Drei-Jahres-Zeitraum mehr als verzehnfacht. Dies spricht dafür, dass viele erwachsene Kaiserpinguine auf der Suche nach besseren Brutbedingungen von der Halley Bay nach Dawson Lambton umgesiedelt sind.

Welche Rolle spielt der Klimawandel?

Ob diese Entwicklung mit der globalen Erwärmung in Verbindung steht, ist den Forschern zufolge noch unklar, aber durchaus möglich. „In einer immer wärmer werdenden Welt ist es in Zukunft wichtig, das Zusammenspiel zwischen Wind und Schelfeis-Orographie besser zu verstehen – und zu erkennen, wie diese Faktoren die Kaiserpinguin-Kolonien beeinflussen“, schreiben sie. Nur mit dem Wissen darüber, wie die Pinguine auf dramatische Meereisverluste reagieren, könne man das Schicksal dieser Spezies für die kommenden Jahrzehnte vorhersagen, so ihr Fazit.

Quelle: Peter Fretwell und Philip Trathan (Britisch Antarctic Survey, Cambridge), Antarctic Science, doi: 10.1017/S0954102019000099

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