Zwergbeutelmarder finden Aga-Kröten zum Kotzen - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Umwelt+Natur

Zwergbeutelmarder finden Aga-Kröten zum Kotzen

zwergbeutelmarder_klein.jpg
Ein Zwergbeutelmarder mit einem Halsband zur telemetrischen Verfolgung. Die Halsbändern fallen nach einigen Wochen von selbst ab. Bild: Jonathan Webb
Australische Ökologen haben einheimische Zwergbeutelmarder erfolgreich darauf trainiert, die hochgiftigen Aga-Kröten als Nahrung zu vermeiden. Den meisten Mardern verging der Appetit dauerhaft, nachdem ihnen die Wissenschaftler tote Kröten vorgesetzt hatten, die mit einem Brechreiz auslösenden Stoff behandelt worden waren. Die gefährlichen Kröten waren ursprünglich nur in Südamerika heimisch und wurden 1935 in australischen Zuckerplantagen zur Schädlingsbekämpfung eingeführt. Die Amphibien vermehrten sich aber explosionsartig und sind heute eine Gefahr für zahlreiche einheimische Tierarten. Die neue Methode könnte eine effektive Waffe sein, um die australische Tierwelt vor den Aga-Kröten und anderen invasiven Spezies zu schützen.

In Australien lebt eine große Anzahl von Tierarten, die nur auf diesem Kontinent vorkommen. Diese reiche Fauna wird jedoch durch eingeschleppte Arten bedroht, die sich wegen fehlender Feinde rasend schnell ausbreiten. Zu diesen sogenannten invasiven Arten zählt auch die Aga-Kröte (Bufo marinus), deren aus Hautdrüsen abgesondertes tödliches Gift nun Schlangen, Krokodilen und Zwergbeutelmardern (Dasyurus hallucatus) zum Verhängnis wird, da sie die Kröte als Beutetier ansehen. Verschiedene Bekämpfungsmethoden brachten bis jetzt keinen durchschlagenden Erfolg, die Zwergbeutelmarder sind in der Folge bereits in einigen australischen Regionen ausgestorben.

Die Wissenschaftler versuchten nun, eine Vermeidungsstrategie zu entwickeln, um die einheimischen Arten vor den Kröten zu schützen. Die Idee dazu kam Webb, als er seinen Kindern eine moderne Version des Rotkäppchens vorlas: In dieser Geschichte nähte die Großmutter dem Wolf nach ihrer Befreiung Zwiebeln in den Bauch, so dass er fortan nie wieder eine Großmutter verspeiste. Etwas ähnliches sollte doch auch mit den Zwergbeutelmardern möglich sein, dachte sich Webb. Als Versuchstiere dienten 62 junge Zwergbeutelmarder, die aus einem Auswilderungsprogramm stammten. Der Hälfte dieser Tiere gaben die Forscher eine tote Kröte zu fressen, die sie vorher mit der übel riechenden Chemikalie Thiabendazol präpariert hatten. Bei den Kröten handelte es sich besonders kleine Exemplare, die eine entsprechend geringere Hautoberfläche und Giftproduktion hatten und somit nicht tödlich waren. In Anschluss an die Fütterung wurde die Reaktion aller Tiere auf eine lebende in einem durchsichtigen Behälter eingeschlossene Aga-Kröte getestet. Die mit Thiabendazol konditionierten Zwergbeutelmarder starteten signifikant weniger Attacken oder Annäherungsversuche auf die Kröte als die Tiere aus der Kontrollgruppe.

Dieses Verhalten setzte sich auch einige Tage später nach Entlassung in die Wildnis fort, stellten die Forscher fest, die die Beutelmarder mit Hilfe von Halsbändern zur telemetrischen Ortung 10 Tage lang verfolgten: In diesem Zeitraum starben fünf Marder ohne Thiabendazol-Erfahrung, nachdem sie eine Kröte attackiert hatten ? vier davon in den ersten Stunden in Freiheit. Bei der trainierten Gruppe starben dagegen nur zwei der Raubtiere durch einen Angriff auf eine Kröte. Jetzt wollen die Wissenschaftler untersuchen, ob die Aversion der Marder gegenüber den Kröten auch langfristig anhält. Sollte dies der Fall sein, könnte ein Training in der Wildnis gestartet werden. Denkbar wäre beispielsweise das großräumige Auslegen von präparierten Kröten in Beutelmarder-Lebensräumen, die die Kröte bisher noch nicht erreicht hat.

Jonathan Webb (University of Sidney) et al.: Journal of Applied Ecology, Onlinevorabveröffentlichung, doi: 10.1111/j.1365-2664.2010.01802.x ddp/wissenschaft.de ? Thomas Neuenschwander
Anzeige
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Stär|ke  〈f. 19〉 I 〈unz.〉 1 große Kraft 2 Macht ... mehr

Com|pu|ter|her|stel|ler  〈[–pju–] m. 3; IT〉 Firma, die Computer produziert

lu|nar  〈Adj.〉 zum Mond gehörend, von ihm ausgehend; oV lunarisch ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige