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Wissenschaftslexikon

ab|norm  〈Adj.〉 nicht normal, gegen die Regel, krankhaft, ungewöhnlich ● ~e Veranlagung [<lat. abnormis; ... mehr

Luft|dich|te  〈f. 19; unz.〉 spezif. Gewicht der Luft

Die Gastautorinnen Lydia Müller und Maria Staudte haben sich, im Rahmen von CLARIN-D, unter anderem mit der Transparenz wissenschaftlichen Arbeitens und inbesondere mit der Kommunikation und Reproduktion von Ergebnissen beschäftigt. Es wurde schnell festgestellt, dass aussagekräftige Studien und deren Ergebnisse einen guten Platz in wissenschaftlichen Journalen finden, jedoch Nullresultate, nicht so spektakuläre Ergebnisse oder gar fehlgeschlagene Experimente oft nicht kommuniziert werden. Das macht wissenschaftliche Arbeit intransparent. In diesem Gastbeitrag stellen sie die Idee vor, eine Plattform zu entwickeln und öffentlich anzubieten, um solche Ergebnisse schnell und einfach anderen Wissenschaftlern zur Verfügung zu stellen.

Publikationsdruck und Publication Bias

Der hohe Publikationsdruck im heutigen Wissenschaftsbetrieb führt zum Einen dazu, dass der wissenschaftliche Austausch NUR noch über Publikationen stattfindet, da sie die Währung darstellen, mit der man sich etablieren, positionieren, oder sein Standing festigen kann. Zum Anderen führt der Publikationsdruck zu einer Flut von Papieren, so dass (zu recht) Rufe nach mehr Qualität als Quantität laut werden. Das Peer-review-System stößt an seine Grenzen, denn es kommt kaum hinterher, die große Menge an häufig höchstens durchschnittlichen Papieren seiner Qualitätskontrolle zu unterziehen.

Die teilweise fatalen Auswirkungen der Überforderung des Peer-review-Systems werden immer wieder sichtbar. Sie werden öffentlich und medial diskutiert und schädigen so den Ruf der Wissenschaft. Ein aktuelles Beispiel sind Studien zur Eignung von Malariamedikamenten bei Behandlung von COVID-19. Ergebnis der Studie war, dass es sich nicht eignet und eventuell zu höheren Todesraten und Herzrhythmustörungen führt. Die Publikationen durchliefen das Peer-review und wurden publiziert. Erst nach der Veröffentlichung stellte sich heraus, dass die Daten fehlerhaft oder sogar gefälscht sind. Die Publikation wurde zurückgezogen. Mit anderen Worten, das Peer-Review-System hat versagt. Und dies ist nur der neueste Fall. Dieses Problem ist nicht nur auf Artikel aus der Domaine Medizin, Biologie oder Psychologie beschränkt, sondern ist in jeder Disziplin zu finden, so auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften – überhaupt überall, wo Daten erhoben und gesammelt und genutzt werden. Der Fall des Mart Bax zeigt, dass z.B. auch in der Anthropologie bzw. in den Geschichtswissenschaften gefälschte Ergebnisse veröffentlicht werden können. [1]

Eine Lösung könnte darin liegen, nicht jedes Ergebnis publizieren zu müssen — stattdessen nur die wirklich interessanten, überraschenden oder neuartigen Studienreihen als Papier zu veröffentlichen — und die kleineren, manchmal auch nicht so klar zu deutenden Ergebnisse auf anderen Wegen mit den Kollegen zu teilen. Dass man sie teilen sollte, liegt auf der Hand: Auch aus nicht publikationsfähigen Studien kann meist etwas über den Untersuchungsgegenstand oder über die angewandte Methode gelernt werden, was aber vornehmlich für jene relevant ist, die sich konkret mit sehr ähnlichen Themen auseinandersetzen.

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Wie also könnte man Ergebnisse, die nicht unbedingt in einer Publikation untergebracht werden müssen/können, mit seinen Kollegen teilen? Aber bitte möglichst einfach, denn Zeit ist ohnehin nie genug vorhanden, und möglichst breit?! Eine mögliche Lösung bietet die Plattform „Null-Results“.[2]

Die Plattform

„Null-Results“ bietet genau die gewünschte Funktionalität. Studien, die keine revolutionären Ergebnisse, aber dennoch nützliche Erfahrungswerte liefern, die können dort über eine Eingabemaske beschrieben und online gestellt werden. Umgedreht kann man natürlich auch über eine Kategorien- oder Stichwortsuche nach Studien zum eigenen Thema oder zur eigenen Methode suchen, während man ein Projekt plant.

Die Plattform ist damit anders als alle bisherigen wissenschaftlichen Medien. Sie soll dem informellen, einfachen Austausch von Informationen dienen und bei Interesse unter Kollegen weitere Nachfragen ermutigen. Das bedeutet, dass der qualitätssichernde, aber aufwendige Peer-Review-Prozess, ja sogar das Manuskriptschreiben, entfällt. Dafür kann man mit einem Beitrag aber auch NICHT die eigene Publikations- oder Zitationsliste verlängern. Die gelisteten Studien wären nicht ohne Weiteres zitierfähig und dienten lediglich dem informellen Austausch.

Um diesen informellen Austausch zu ermöglichen, bietet die Plattform die Möglichkeit, Einträge zu kommentieren und so zu diskutieren. Wenn man so will, kann dies auch als Umkehrung des bis-herigen Vorgehens betrachtet werden: anstatt erst ein Peer-review durchzuführen und im Anschluss zu veröffentlichen, wird erst veröffentlicht und dann ein Peer-review durchgeführt. Anders als beim traditionellen Peer-review können an diesem Prozess vor allem genau die teilnehmen, die ein konkretes Interesse an der Studie haben und sich mit dem Thema bereits beschäftigt haben. Keiner muss, aber jeder kann. Als Konsequenz der Umkehrung von Publikation und Peer-review, sollen und können Einträge aktualisiert, erweitert oder gelöscht werden. Eine angeregte Diskussi-on und viele Änderungen sind in gewisser Weise dann sogar ein Indikator für Relevanz und Qualität eines Eintrags. Es obliegt also wiederum dem Nutzer, auch Einträge kritisch zu betrachten und die Qualität zu bewerten, anstatt blind auf das Peer-Review-System und den guten Ruf des Journals zu vertrauen, in dem der Artikel veröffentlicht wurde.

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