09.09.1553 Verbrennung des Talmud - wissenschaft.de
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09.09.1553

Verbrennung des Talmud

Nur eine einzige vollständige mittelalterliche Handschrift des Babylonischen Talmuds ist uns heute bekannt: ein in Frankreich im Jahr 1342 vollendeter Kodex, der heute in der Bayerischen Staatsbibliothek München verwahrt wird. Unzählige andere Exemplare des Talmud überdauerten die Zeiten jedoch nicht. Das lag zum einen an der wechselhaften Geschichte vieler jüdischer Gemeinden, zum anderen an der Polemik, die von kirchlicher Seite wiederholt gegen das zentrale Schriftwerk des Judentums geführt wurde. In deren Folge kam es immer wieder zu Talmud-Verbrennungen.

So auch im Jahr 1553. Papst Julius II. ließ zunächst in Rom alle Talmud-Exemplare konfiszieren. Am 9. September 1553, dem jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schanah des Jahres 5314 nach jüdischer Zeitrechnung, wurden die beschlagnahmten Talmud-Ausgaben auf dem Campo de’ Fiori öffentlich verbrannt. Wenige Tage später folgte ein Dekret der Inquisition, die in allen christlichen Ländern ein ähnliches Vorgehen anordnete. Binnen drei Tagen sollten die Juden alle Exemplare des Talmud an die Inquisitoren ausliefern, andernfalls würde ihr Vermögen beschlagnahmt. In zahlreichen Städten und Fürstentümern Italiens kam es zu Talmud-Verbrennungen. 1559 wurde der Talmud von der römischen Inquisition in den ersten Index der verbotenen Bücher aufgenommen.

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