20. April 1298 Aufruhr gegen die Juden - wissenschaft.de
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20. April 1298

Aufruhr gegen die Juden

Es war der Sonntag Miserere Domini, zwei Wochen nach Ostern, als im Städtchen Röttingen im Taubertal der Aufruhr losbrach. Wie ein Lauffeuer hatte sich die Kunde verbreitet, daß ein Jude des Hostienfrevels überführt worden sei. Daraufhin versammelte sich eine Schar aufgebrachter Röttinger Bürger um ihren Anführer, den Metzger Rintfleisch, und tötete 21 Juden. Etwa zwei Monate später stellte sich Rintfleisch an die Spitze eines Heeres aus Städtern und armen Landbewohnern, das von Röttingen aus zur Verfolgung der Juden aufbrach. Die Zahl der Opfer übertraf alle bisherigen Pogrome bei weitem. In mindestens 130 Ortschaften der fränkischen Diözesen Würzburg und Bamberg wüteten Rintfleisch und seine Anhänger, nicht wesentlich behindert von Adel und Oberschicht, dafür häufig mit Unterstützung der örtlichen Geistlichkeit und Teilen der Bürgerschaft. Mit der Ermordung von Juden in den Städten Rothenburg, Würzburg und Bamberg im Juli und August 1298 erreichten die Pogrome ihren Höhepunkt. Begünstigt wurde die eigenmächtige Aktion Rintfleischs, der glaubte, in göttlichem Auftrag zu handeln, durch eine Schwäche der Reichsgewalt, die durch den Thronstreit zwischen Albrecht von Habsburg und Adolf von Nassau auslöst worden war. Erst der neugewählte König Albrecht, der im September mit seinen Truppen nach Franken kam, machte dem grausamen Töten ein Ende. Bis dahin waren insgesamt etwa 5000 jüdische Männer, Frauen und Kinder erschlagen oder verbrannt worden. Albrecht belegte etliche der schuldigen Städte mit hohen Geldstrafen, weil sie die Juden den Verfolgern ausgeliefert hatten. Rintfleischs Verbleib ist ungewiß. Offenbar war er den kaiserlichen Truppen entkommen und in Abwesenheit mit ewiger Verbannung bestraft worden.

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