18. März 1843 Aus für die „Rheinische Zeitung“ - wissenschaft.de
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18. März 1843

Aus für die „Rheinische Zeitung“

Schon der erste Artikel hatte das heiße Eisen angefaßt: Im Mai 1842 beklagte der junge Karl Marx in der „Rheinischen Zeitung“, die Pressefreiheit in Preußen läge „im Argen“. Nicht ganz ein Jahr später, Marx war inzwischen Chefredakteur des Blattes, hatten ihm die ständigen Eingriffe und Gängeleien der kleinkrämerischen Zensoren den letzen Nerv geraubt und das Ende des Blatts besiegelt: Am 18. März 1843 erschien die Zeitung zum letzten Mal. „Unser fertiges Blatt muß der Polizeinase zum Riechen präsentiert werden“, hatte sich Marx noch empört, „und wenn sie etwas Unchristliches, Unpreußisches riecht, darf die Zeitung nicht erscheinen.“ Im konkreten Fall war es aber weder unchristliches noch unpreußisches Gedankengut, das das ministerielle Edikt mit dem Entzug der Lizenz bewirkt hatte. Vielmehr hatte ein antirussischer Schmähartikel vom 4. Januar 1843 bis ins ferne St. Petersburg Wellen geschlagen. Der Zar hatte den preußischen Gesandten abgekanzelt – und so kam es zum Verbot. Dabei hatte Marx durchaus schon andere brisante Artikel veröffentlicht. In Berichten über die miserable Lage der Moselwinzer oder in einer Suada gegen die drakonische Bestrafung des Holzdiebstahls war er scharf mit der preußischen Obrigkeit ins Gericht gegangen. Allein sein feiner Schreibstil und die Tatsache, daß die Zensoren nicht die hellsten Köpfe waren, führten dazu, daß diese kritischen Artikel am Auge der Medienwächter vorbei publiziert werden konnten. Doch die nächsthöheren Instanzen konnten sehr wohl zwischen den Zeilen lesen. Und so verlor im März 1843 die liberale Bewegung in Deutschland nicht nur eine ihrer wenigen Plattformen – sondern vorerst auch einen ihrer wichtigsten Köpfe: Enttäuscht kehrte Marx Deutschland den Rücken und ging nach Paris.

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