Anzeige
Anzeige

20. Mai 1936

Deklaration gegen den Krieg

Im Februar 1936 war der erste Schritt zu einem einheitlichen Auftreten getan worden: Im Hotel Lutetia in Paris hatten sich 118 Persönlichkeiten der deutschen Emigration versammelt, um in einer „Auslandstagung der Deutschen Opposition“ ein Zeichen gegen das Hitler-Regime zu setzen. Aufgerufen zu dieser Konferenz hatten der Schriftsteller Heinrich Mann und der ehemalige Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei des Saarlands, Max Braun. Die Arbeiterparteien hatten offizielle Vertreter entsandt, ebenso die Exil-Organisationen der großen Gewerkschaften. Was diese Tagung jedoch heraushob, war die Tatsache, daß auch parteilich ungebundene Einzelpersonen an ihr teilnahmen: Schriftsteller, Journalisten, Künstler und Wissenschaftler. So bot sich dem „Ausschuß zur Vorbereitung einer Deutschen Volksfront“ erstmals die Chance, durch gemeinsames Handeln eine überparteiliche und ernst zu nehmende Opposition gegen den Nationalsozialismus zu formieren. Indes: Der Alltag sah anders aus. Zwar tagte der Ausschuß regelmäßig, es wurden Informationsblätter herausgegeben und Aktionen geplant. Aber es erwies sich rasch, daß der einzige unumstrittene verbindende Punkt zwischen den Mitgliedern die Gegnerschaft zum Nationalsozialismus war. Doch schon im März kam ein weiteres Moment hinzu, das alle Beteiligten zusammenschweißte: Es war die Furcht vor dem Krieg. Bereits im Manifest der Lutetia-Konferenz hatte der Ausschuß auf die Gefahr eines durch Hitler ausgelösten Weltbrands hingewiesen. Und am 7. März bestätigte die Rheinlandbesetzung durch deutsche Truppen diese Befürchtungen. Zwar dauerte es bis zum 20. Mai, bis sich der Ausschuß auf einen gemeinsamen Text einigen konnte, doch dafür liest sich diese „Deklaration der Deutschen Opposition zur Rheinlandbesetzung und zu Hitlers Kriegspolitik“ im Rückblick wie ein prophetisches Dokument. Dem deutschen Volk und der Weltöffentlichkeit halten die Verfasser vor Augen, daß Hitler auf einen Krieg zusteuerte, der nach dem „unabänderliche[n] Lehrbuch ‚Mein Kampf’“ vorbereitet und verwirklicht werden würde. Alle „Frauen und Männer, die Deutschland und die Welt vor einem Krieg bewahren wollen“, wurden aufgerufen zum gemeinsamen Kampf „für den Sturz der Hitler-Diktatur. Sie ist das Unglück unseres Volkes und wird zum Unglück für die ganze Welt, wenn wir es nicht verhindern.“ Auch wenn die Analyse richtig war, über die Konsequenzen wurden man nie einig, und noch bevor der vorhergesagte Weltkrieg tatsächlich ausbrach, scheiterte die Volksfront-Idee 1938 an inneren Differenzen.

Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Der Podcast zur Geschichte.

Geschichten von Alexander dem Großen bis ins 21. Jahrhundert. 2x im Monat reden zwei Historiker über ein Thema aus der Geschichte. In Kooperation mit DAMALS – Das Magazin für Geschichte.

Hören Sie hier die aktuelle Episode:

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

Stamm|da|ten  〈Pl.; IT〉 gespeicherte Daten, die sich nur selten ändern

Com|pu|ter  〈[–pju–] m. 3; IT〉 Apparat zur elektron. Verarbeitung von Daten; Sy Rechner ( ... mehr

Gi|gan|to|ma|chie  〈[–xi] f. 19; unz.; Myth.〉 Kampf der Giganten gegen Zeus [<grch. gigantes ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige