14.03.1872 Der Feind steht links - wissenschaft.de
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14.03.1872

Der Feind steht links

Die Vorstellungen von einer kommunistischen Weltrevolution hatten in Frankreich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen günstigen Nährboden gefunden; 1864 war die „Erste Internationale Arbeiter-Assoziation“ gegründet worden. Neuen Aufwind erhielt die Linke nach der französischen Niederlage gegen die Preußen 1870/71. Das Land war regelrecht traumatisiert. Die Monarchie lag darnieder, und die Dritte Republik stand anfangs auf noch recht tönernen Füßen. In dieser politischen Transformationsphase erschienen einer konservativ-republikanischen Regierung, die vor allem an einer Stabilisierung der Verhältnisse interessiert war, Sozialisten und Kommunisten als vorrangige Gegner.

Zum ausschlaggebenden Ereignis wurde der Aufstand der Pariser Kommunarden vom März 1871, die eine soziale Revolution und die Fortsetzung des Kampfs gegen die Deutschen forderten. Die Regierung unter Adolphe Thiers suchte ihr Heil in brutaler Reaktion: Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen, rund 20000 Tote waren zu beklagen. Um weitere Rebellionen zu unterbinden, erließ die französische Nationalversammlung im folgenden Jahr, am 14. März 1872, ein Gesetz, das den französischen Arbeitern, die sich in der „Internationale“ engagierten, die Bürgerrechte entzog.

Jenseits des Rheins, auf deutschem Boden, hegte man in konservativen Kreisen durchaus Sympathie für den „Erbfeind“. Dem „Wöchentlichen An-zeiger“ des Fürstentums Ratzeburg schienen die zusätzlich verhängten Strafen – bis zu zwei Jahren Gefängnis und eine Geldbuße von bis zu 1000 Francs – jedenfalls nicht übertrieben.

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Horn|blen|de  〈f. 19; Min.〉 Angehörige einer Gruppe gesteinsbildender Mineralien

Kern|ex|plo|si|on  〈f. 20〉 Explosion durch Zündung einer Kernwaffe

Tschar|dasch  〈m. 1; Mus.〉 = Csárdás

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