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Mai 919

Des deutschen Reiches Will?

Die nationalistische Dichtung des 19. Jahrhunderts sah es ganz romantisch. „Herr Heinrich saß am Vogelherd, recht froh und wohlgemut“, dichtete etwa Johann Nepomuk Vogl. In dieses Idyll eines Maientags sei unvermittelt eine Reiterschar geplatzt und habe dem blondgelockten Sachsenherzog gehuldigt, der nach des „deutschen Reiches Will“ zum König gewählt worden sei. Wie nun ausgerechnet der Liudolfinger Heinrich I. nach dem Tod Konrads I. im Dezember 918 die Königskrone des ostfränkischen Reiches erlangt hat, liegt jedoch bis heute im dunkeln. Der sterbende König Konrad selbst habe Heinrich als seinen Nachfolger in der Königswürde anempfohlen, schreibt der Chronist Widukind von Corvey dazu. Sicher überliefert ist allerdings nur, daß Heinrich I. im Mai 919 von Franken und Sachsen in Fritzlar zum König gewählt wurde. Bewußt verzichtete er auf die Königssalbung, um sich nicht über die anderen Großen des Reiches zu stellen. Von Sachsen aus schob er seine Königsherrschaft in die anderen Reichsteile vor und schaffte es, auch Friesen, Thüringer, Alamannen und Baiern in sein Königtum einzubinden, eine große integrative Leistung des ersten Königs aus Sachsen. Als er in Abkehr von der karolingischen Tradition von Reichsteilungen seinen ältesten Sohn Otto zu seinem alleinigen Nachfolger bestimmte, tat er ein weiteres, das re?gnum in seiner Einheit zu bewahren. Im Überschwang nationalistischer Gefühle wurde Heinrich I. so zum ersten „deutschen“ König und Begründer des „deutschen Reichs“ stilisiert. Davon ahnten die Zeitgenossen freilich nichts. Es sollten noch weit über 100 Jahre vergehen, bis sich die verschiedenen Stammesgruppen im ostfränkischen Reich ihrer Gemeinsamkeiten bewußt wurden und man das Reich erstmals mit dem Attribut „deutsch“ versah.

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