26. Januar 1738 Die gekrönte Dichterin - wissenschaft.de
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26. Januar 1738

Die gekrönte Dichterin

„Ihr Männer bildet euch nicht ein, als ob Vernunft, Verstand, Gelehrsamkeit und aufgeklärter Sinn solt euer Eigenthum und Erbrecht seyn“, lässt sich Sidonia Hedwig Zäunemann in ihrem Gedicht „Auf die gelehrten Frauenzimmer“ vernehmen. Ihre eigene Gelehrsamkeit und Bildung, darunter auch Kenntnisse in Französisch und Latein, hatte die Dichterin, die als Tochter eines Advokaten in bürgerlichen Verhältnissen in Erfurt aufwuchs, zum größten Teil autodidaktisch erworben. Zunächst hatte sie nur Gelegenheitswerke verfasst, später aber erreichten ihre Gedichte ein immer breiteres Publikum. Die Dichterin war in der von Männern dominierten Welt der Verse‧schmiede bald keine Unbekannte mehr.

Am 3. Januar 1738 verlieh ihr die Universität Göttingen den Titel eines „Poeta laureatus“, eines „gekrönten Dichters“. Damit war sie nach Christiana Mariana von Ziegler erst die zweite Frau, die die Dichterkrone trug. Im selben Jahr veröffentlichte sie ihre Gedichtsammlung „Poetische Rosen in Knospen“, aus der die eingangs zitierten Verse stammen. Unkonventionell war sie auch in ihrem Privatleben: Eine Eheschließung lehnte sie strikt ab und ging sogar als Mann verkleidet auf Reisen. Die heute weithin Vergessene starb früh: 1740, im Alter von 36 Jahren, ertrank Sidonie Hedwig Zäunemann in den Fluten der Gera.

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