1. August 608 Ehrenmal für ein Ungeheuer - wissenschaft.de
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1. August 608

Ehrenmal für ein Ungeheuer

Auf einem Stufensockel neben der antiken Rednerbühne aufragend, fällt dem heutigen Besucher des Forum Romanum eine kopflose korinthische Säule auf. Sie ist als jüngstes Ehrenmal des Forums jenem Herrscher geweiht, den die ältere Historiographie ein „verruchtes Ungeheuer“ und einen „unfähigen Proleten“ auf dem byzantinischen Thron nannte. Phokas hatte im Heer im Rang eines „Kentarchos“ gedient und war 602 durch Schilderhebung der Mitkämpfer zum Anführer gemacht und in Konstantinopel vom Patriarchen um Kaiser gekrönt worden. Mit der grausamen Hinrichtung seines Vorgängers Maurikios und dessen Söhnen begann Phokas seine achtjährige Schreckensherrschaft, die Byzanz nicht nur finanziell fast in den Ruin trieb, sondern das nach innen wie außen zunehmend labile Reich in eine existenzgefährdende Lage brachte. Einzig mit dem Papst pflegte der Tyrann gute Kontakte. Als Dank für das Pantheon, das Phokas dem römischen Stuhl schenkte, und „zur Erinnerung an die unzähligen Wohltaten des Kaisers“, wurde im August 608 eine Ehrensäule mit einer Statue des Basileus errichtet. Die Weiheinschrift preist ihn als milden und wohltätigen Herrscher und verrät nichts über die Tyrannei, mit der er Byzanz niederdrückte. Doch mit dem Kaiser stürzte auch sein goldenes Bildnis. Im Jahr 610 wurde Phokas von Heraklios besiegt und hingerichtet. Sein Name und die meisten der wohlwollenden Bezeichnungen wurden aus der Weiheinschrift getilgt und die Phokassäule der Anonymität preisgegeben, bis im 19. Jahrhundert Archäologen das Geheimnis um das kopf- und namenlose Ehrenmal lösten.

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