24. September 1708 Erste Sozialreform Dänemarks - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

24. September 1708

Erste Sozialreform Dänemarks

Wie in den meisten europäischen Staaten der Frühen Neuzeit gab es auch in Dänemark eine lange Tradition von Gesetzen zur Regulierung des Bettelns und Vagabundierens. Städtische Verordnungen hatten den Kopenhagener Bürgern zuletzt 1663 und 1683 die Vergabe von Almosen untersagt, um dem vielgescholtenen Mißstand der Bettelei auf den Straßen zu begegnen. Im September 1708 schließlich erließ König Frederik IV. die sogenannte „Kopenhagener Armenverordnung“, die die dänischen Straßen nicht nur von den Bettlern befreien sollte. Alte, Kranke und Behinderte konnten durch sie ebenso auf Unterstützung hoffen wie Arbeiter und Handwerker, die unverschuldet in Not geraten und nur vorübergehend auf finanzielle Hilfe angewiesen waren. Die Kosten dafür hatten die einzelnen Gemeinden selbst aufzubringen. Arbeitsfähige Bettler und Vagabundierer indes wurden zur Zwangsarbeit verpflichtet und in Arbeitshäuser verbracht. Der Pietismus, der um 1700 in Dänemark Einzug hielt, lenkte die Aufmerksamkeit daneben besonders auf das Schulwesen. Nur wer lesen und schreiben konnte, war imstande, sich das nötige religiöse Wissen aneignen. In der Armenverordnung wurde daher bestimmt, daß auch Kinder aus ärmsten Verhältnissen nicht vom Schulbesuch abgehalten werden dürften. In ganz Dänemark, insbesondere auf dem Land, sollten daher sogenannte „Reiterschulen“ eingerichtet werden, die armen Kindern Erziehung und Unterricht ermöglichten. Obgleich der „Kopenhagener Armenverordnung“ von 1708 insgesamt nur wenig Erfolg beschieden war und erst mit der Aufklärung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dauerhafte Maßnahmen in der Bekämpfung der Armut erfolgten, gilt sie doch rückblickend als erste Sozialreform Dänemarks.

Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

Sul|fo|nat  〈n. 11; Chem.〉 Salz u. Ester organischer Verbindungen der Schwefelsäure, wichtiger Waschmittelrohstoff

Schwin|gel  〈m. 5; Bot.〉 Mitglied einer Gattung der Süßgräser, Rispengras mit spitzen, teilweise begrannten, auf dem Rücken rundlichen Ähren: Festuca

Kon|ta|gi|on  〈f. 20; Med.〉 Ansteckung, Krankheitsübertragung [<lat. contagio ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige