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26. August 1807

Impfpflicht in Baiern

Noch im Jahr zuvor hatte sich eine „amtliche Bekanntmachung“ damit begnügt, die Pfarrer in der bairischen Provinz dazu anzuhalten, von der Kanzel die Wichtigkeit einer Impfung gegen die Blattern zu verkünden. Ein Jahr später war es mit den moralischen Appellen vorbei: Am 26. August 1807 führte das Königreich Baiern die Impfpflicht gegen Pocken ein. Damit begann eine Seuche auch in Deutschland ihren Schrecken zu verlieren, der man nahezu zehn Prozent der Sterbefälle in der Menschheitsgeschichte zurechnet. Wer die schwere Krankheit überlebte, war für sein Leben gezeichnet: Tiefe Narben, Erblindung, Gehörverlust und Lähmungen waren oft die Folge. Die Idee der Impfung kam aus England. Der Landarzt Edward Jenner hatte beobachtet, daß Melkerinnen, die mit Eiterbläschen am Euter pockeninfizierter Kühe in Kontakt gekommen waren, bei einer Pockenwelle gesund blieben. Ein gewagter Menschenversuch mit einem achtjährigen Jungen brachte die Bestätigung: Wenn ein Mensch mit der Flüssigkeit aus den „Kuhpocken“ geimpft wurde, zeigte er sich gegenüber den Menschenpocken resistent. Diese Behandlungsmethode war freilich so unerhört, daß sie noch viele Widerstände überwinden mußte, nicht zuletzt die der Bevölkerung. Zudem kostete die „Vakzination“ viel Geld: So wendete der bairische Staat in den ersten zehn Jahren der Impflicht 136 000 Gulden dafür auf, gut ein Achtel des Gesundheitsetats. Doch auf lange Sicht war die Strategie erfolgreich: Seit 1977 gelten die Pocken weltweit als ausgerottet.

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