01.06.1923 Schutz für Mieter - wissenschaft.de
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01.06.1923

Schutz für Mieter

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs war die Wohnungsnot in Deutschland groß. Heimkehrende Soldaten, Flüchtlingsströme aus den ehemals deutschen Gebieten sowie ein massiver Baustoff- und Kapitalmangel trugen maßgeblich zu dieser Situation bei. Schätzungen ergaben einen Wohnungsfehlbestand von einer Million Wohnungen und einen Bedarf von weiteren 180 000 Neuwohnungen jährlich. Für den Mietwohnungsmarkt hatte dies ernsthafte Folgen. Die gestiegene Nachfrage führte zu einem Anstieg der Mietzinsen, die vom Mieter oft nicht mehr bezahlt werden konnten. Erschwerend kam hinzu, dass selbst geringste Vertragsverletzungen zur Wohnungskündigung führen konnten. Beim wenige Jahre zuvor gegründeten Deutschen Mieterbund machte sich wachsender Unmut darüber breit, dass das gesetzliche Mietrecht nur auf dem Papier bestand.

Bereits während des Krieges hatte der Gesetzgeber die Wohnungsnot mit Zwangsbewirtschaftung und Vorschriften zum Mieterschutz mildern wollen. Doch dieses Notrecht war nicht als permanente Lösung gedacht. Erst das am 1. Juni 1923 in Kraft getretene Mieterschutzgesetz schuf dauerhaft Rechtssicherheit. Als Teil eines „Grundgesetzes der Wohnungszwangswirtschaft“ gewährleistete es den Bestandsschutz des Mietverhältnisses und bewahrte die Mieter damit vor willkürlicher Kündigung und ungerechtfertigten Mieterhöhungen. Zwar in wesentlichen Teilen verändert, blieb das Gesetz fast 53 Jahre in Kraft und prägt bis heute unsere Vorstellungen von einem sozialen Mietrecht.

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Kup|fer|glanz  〈m.; –es; unz.; Min.〉 Mineral, chem. Kupfersulfid

Pass|word  〈[paswœ:d] n. 15; bes. IT〉 = Passwort [engl.]

Lehm|er|de  〈f. 19; unz.〉 innerlich u. äußerlich gebrauchte Aufschlämmung von Lehm als Heilmittel, bes. in der Naturheilkunde; Sy Kleierde ... mehr

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