10.10.1910 Streiks in Frankreich - wissenschaft.de
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10.10.1910

Streiks in Frankreich

Aufrüttelnde Schlagzeilen prangten im Oktober 1910 auf den Titelseiten französischer Zeitungen: „Frankreich in Gefahr“ und „Verrat am Vaterland“ las man etwa in den konservativen Blättern „L’Aurore“ und „Le Temps“ lesen. Bedroht sah man sich nicht etwa von etwaigen Landesfeinden, sondern von Eisenbahnern und deren Gewerkschaft, die wegen schlechter Entlohnung und miserabler Arbeitsbedingungen am 10. Oktober zum Streik aufgerufen hatte. Tausende Depotarbeiter, Mechaniker, Heizer, Bahnhofsangestellte und Weichensteller folgten diesem Aufruf, so dass der Zusammenbruch des Eisenbahnverkehrs drohte. Für die rechtsgerichtete Presse stand fest: Wer den Streik unterstützte, beschädigte nationalen Wohlstand und Sicherheit.

Ministerpräsident Aristide Briand, einstmals ein glühender Befürworter von Generalstreiks, reagierte unverzüglich. Er nutzte die aufgeheizte Stimmung zwischen Klassenkämpfern und patriotisch Gesinnten und berief alle wehrpflichtigen Eisenbahner für 21 Tage zu einer militärischen Übung ein. Alle Depots und Bahnhöfe wurden durch das Militär besetzt. Wenn diese rigorosen Maßnahmen auch im Kabinett nicht auf ungeteilte Zustimmung stießen, so gewann die Regierung doch die Kraftprobe mit den Gewerkschaften: Die noch zaghafte Streikbewegung wurde im Keim erstickt. 3300 Arbeiter wurden in der Folge entlassen, nachdem bereits 1909 die Rechtsgrundlage für ein Streikverbot im öffentlichen Dienst erlassen worden war.

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