01.06.1497 „Stultifera navis“ - wissenschaft.de
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01.06.1497

„Stultifera navis“

„All strassen / gassen sindt voll narren“, stellte der Basler Humanist Sebastian Brant fest. „Ouch zu verachtung vnnd straff der narrheyt / blyntheyt / yrrsal vnd dorheyt“ verfasste er daher eine Verssatire in deutscher Sprache, die der Torheit des Menschen einen Spiegel vorhalten sollte. Den allegorischen Rahmen der Geschichte bildet ein Schiff, das ohne Steuermann, dafür aber mit 109 Narren an Bord, gen „Narragonien“ segelt. In 112 Kapiteln geißelt Brant jeweils einen typischen Auswuchs menschlicher Torheit, sei es eine hoffärtige Kleidermode, übergroße Neugierde oder Schwatzhaftigkeit. Dem Narren, der mangels Vernunft an der Welt scheitern muss, stellt Brant den nach Weisheit strebenden Menschen gegenüber, was ihm beifälliges Kopfnicken seiner humanistischen Zeitgenossen einbrachte.

„Das Narrenschyff “, mit 103 Holzschnitten illustriert und 1494 in Basel gedruckt, war sogleich ein großer Erfolg, allerdings auf den deutschsprachigen Leserkreis beschränkt. Sebastian Brants Schüler Jakob Locher erarbeitete deshalb eine lateinische Fassung mit dem Titel „Stultifera navis“, keine bloße Übersetzung, sondern eine Nachdichtung. Locher nahm eine Kürzung der meisten Kapitel vor und ersetzte einige völlig. Diese Ausgabe, die am 1. Juni 1497 in Straßburg erschien, wurde in Europa enthusiastisch aufgenommen und seinerseits Grundlage für zahl‧reiche volkssprachliche Übersetzungen. Auch im 16. Jahrhundert erfreute sich Sebastian Brants Satire großer Beliebtheit und inspirierte in der Folgezeit mehrere Werke.

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