19.04.1880 Tschechisch wird Amtssprache - wissenschaft.de
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19.04.1880

Tschechisch wird Amtssprache

Als Ende 1880 in der Wiener Philharmonie die „Slawische Rhapsodie“ des tschechischen Komponisten An‧tonín Dvor`´ák uraufgeführt werden sollte, kam es zu einem beispiellosen Eklat: Das Orchester weigerte sich, das Stück zu spielen. Grund dafür war ein politischer: Am 19. April desselben Jahres war eine Sprachverordnung für die Länder Böhmen und Mähren in Kraft getreten, welche die tschechische Sprache gleichberechtigt neben der deutschen in öffentlichen Ämtern und Behörden zuließ, auch in denjenigen der mehrheitlich deutschen Gebiete. Beamte waren nun zur Doppelsprachigkeit verpflichtet, wenn auch im internen Amtsverkehr weiterhin Deutsch gesprochen wurde. Da nur wenig deutsch-böhmische Beamte der tschechischen Sprache mächtig waren, bedeutete dies eine bevorzugte Einstellung tschechischer Beamter. In dieser aufgeheizten Stimmung erschien es den Wiener Orchestermitgliedern unmöglich, Stücke eines betont nationalbewussten, tschechischen Kompo‧nisten zu spielen.

Die Sprachverordnung hatte der österreichische Ministerpräsident Eduard Graf Taaffe mit neuen Mehrheiten im Parlament durchsetzen können. Seit dem österreichisch-ungarischen Ausgleich und der Schaffung einer kaiserlich-königlichen Doppelmonarchie mit föderaler Struktur 1867 war auch die tschechische Nationalbewegung erstarkt. Sie forderte politische, soziale und kulturelle Gleichberechtigung in Böhmen und Mähren, wo fast fünf Millionen Tschechen und 2,5 Millionen Deutsche zusammenlebten.

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