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442 v. Chr.

„Antigone“ aufgeführt

Die Dramen, die in Athen aufgeführt wurden, sollten das Bewusstsein für moralisches Handeln wecken. Die Stoffe waren meist bekannt. Doch wohl im Jahr 442 v. Chr. sprach die ganze Stadt nur von der neuen Tragödie des Sophokles, des größten Dichters seiner Zeit. Denn die Geschichte von Antigone, der Tochter des Ödipus, hatte bis dahin kein Dramatiker erzählt: Antigones Brüder bringen sich gegenseitig im Streit um die Herrschaft um. Der neue Herrscher Kreon lässt nur einen der beiden bestatten, der andere gilt als Feind der Polis und soll auch über den Tod hinaus ausgestoßen sein. Antigone aber bestattet ihren Bruder und setzt so die göttlichen Gebote über die Gesetze der Menschen.

Sophokles zog alle Register seines Könnens. Der Erfolg war gigantisch und soll den Autor im Folgejahr sogar in das höchste Amt Athens getragen haben. Bis heute ist die „Antigone“ die meistgespielte antike Tragödie auf deutschen Bühnen, unzählige Male adaptiert, vertont oder transformiert. Generationen von Dichtern fanden darin ihre eigenen Themen, etwa den Konflikt zwischen menschlichen und göttlichen Gesetzen oder die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Sophokles ließ seine Figuren ein revolutionär modernes Menschenbild verkünden: Der Mensch ist für sein Handeln verantwortlich, er folgt nicht bloß göttlicher Vorsehung. Besonders ein Chorlied gilt zu Recht als Grundtext des europäischen Denkens. Es beginnt mit den Worten: „Viel Ungeheures ist, doch nichts so Ungeheures wie der Mensch.“

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