63 v. Chr. Pharnakes II., König von Pontos - wissenschaft.de
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63 v. Chr.

Pharnakes II., König von Pontos

Gleich siebenmal vertonte der italienische Komponist Antonio Vivaldi ein Libretto über einen antiken Herrscher, das ihn offenbar faszinierte: Farnace. Und tatsächlich gleicht das Leben des historischen Pharnakes einer Barockoper. Sein Vater Mithradates war König von Pontos im östlichen Anatolien – und aufgrund einer Geschwisterehe gleichzeitig sein Onkel. Zwar sollte ihn Pharnakes einmal beerben, doch Pharnakes ging das nicht schnell genug: Als Mithradates seinen dritten Krieg gegen Rom führte, setzte Pharnakes offenbar ebenso wenig Vertrauen in seinen Vater wie die Truppen.

Im Jahr 63 v. Chr. rebellierte der Sprössling, und Mithradates beging Selbstmord. Mit dem Leichnam seines Vaters bot sich Pharnakes unterwürfig dem römischen Feldherrn Pompeius an. In Rom schätzte man diese Art der Kooperation, verlieh dem jungen Mann den Ehrentitel „Freund und Verbündeter Roms“ – und nahm ihm sein Königreich Pontos weg. Das wurde dem Römischen Reich eingegliedert, während Pharnakes das Bosporanische Reich auf der nördlichen Krim erhielt. Ganz abfinden wollte sich Pharnakes jedoch nicht damit: In den Wirren des römischen Bürgerkriegs von 47 v. Chr. besetzte er Teile Armeniens und seiner Heimat. Caesars Eilmarsch vom Nil nach Armenien und sein Sieg in der Schlacht von Zela bescherten uns das Bonmot des Siegers: „veni, vidi, vici“ (ich kam, ich sah, ich siegte).

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Wissenschaftslexikon

Lehr|werk  〈n. 11〉 umfangreiches, bes. mehrbändiges Lehrbuch

Zurzeit kriechen Verschwörungstheoretiker (oder besser: Verschwörungsmystiker) wieder aus allen Ecken, von ganz links und ganz rechts treffen sie sich zu gemeinsamen Demos (wie krass), lassen sich von einem Koch und einem geschassten Radiomoderator die Welt erklären oder leiden mit einem Deutsch-Soul-Sänger, der bitterliche Tränen vergisst.

Und viele von uns stehen nur fassungslos daneben und würden Ihnen gerne entgegenrufen: “Was ist los mit Euch?” Das lassen wir dann aber, weil wir auch noch anderes zu tun haben und fragen uns nur insgeheim: “Wie konnte das passieren?”

Wie ein Mensch auf solche Pfade geraten kann, hat der Redakteur Christoph Klein in einem beeindruckend offenen Twitter-Thread beschrieben. Damit das auch andere lesen können, die nicht bei Twitter sind, habe ich ihn um Erlaubnis gebeten, seine Geschichte hier online zu stellen.

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Wer mehr über Christopher erfahren möchte, der an der Ludwig-Maximilians Universität München Literaturwissenschaft, Linguistik und Soziologie studiert hat, hier geht es zu seiner Webseite.

Wer Links zu Artikeln oder Forschung zur Frage, wie man in diese Szene rutscht, hat, kann diese gerne in den Kommentaren unterbringen. Das hier ist natürlich nur eine von vielen Varianten, zeigt aber vielleicht auch das ein oder andere Typische solchre Laufbahnen. Vor allem zeigt es, dass es auch wieder rausgehen kann.

Der erste Tweet erscheint im Twitterformat, den Rest habe ich aus dem Format gelöst, der besseren Lesbarkeit wegen (es wird immer der vorherige Tweet mit angezeigt,  sodass jeder Tweet doppelt erscheint, was blöd ist.).

Wer den Thread und die Reaktionen auf Twitter lesen will, klicke einfach auf den ersten oder den letzten Tweet.

Anlass für Christopher war ein Thread der Autorin und Aktivistin Katharina Nocun zum Thema Verschwörungstheorien.

“Nach dem abgeschlossenen Studium (Germanistik) kam ich in die Agentur- und Medienwelt, stieg schnell auf und war ebenso schnell durch. Nach 6 Jahren in 2 Stellen ausgebrannt. Dann mit eigener Agentur selbstständig, große Kunden, doch ich merkte, ich kann nicht mehr. Unsicherheit.

Ich merkte, dass, egal, was ich (beruflich) mache, ich komme aus “dem System” nicht heraus. Ich fühlte mich ohnmächtig. Beschäftigte mich immer mehr mit “Systemkritik”. Das tat erst einmal gut, denn man kommt sich nicht alleine vor. Da sind andere.

Aber psychologisch wichtiger ist die Entlastung: ‘Es (Scheitern, innere Konflikte) liegt nicht an mir’. Und da ist ein mediales Angebot, das diese Entlastungserzählung untermauert: ‘Das System versklavt uns’. Vorsicht: Das hat nichts mit valider politischer Kritik zu tun.

Das Narrativ ‘Das System versklavt uns’ beinhaltet in sich unzählige Chiffren, die nicht mit stichhaltiger Kritik kommen, sie erklären nicht, sie verklären. Wenn man aber im Loch sitzt, merkt man das nicht. Es validiert das eigene Gefühl der Machtlosigkeit und schafft etwas:

Antriebslosigkeit, Scham wird umgewandelt in Wut. Und das ist in dem Moment der depressiven Stimmung sehr hilfreich. Es kanalysiert die eigene erlebte Machtlosigkeit auf einen Gegner: ‘Die Elite’. Ein Schlüsselmoment war ein Film über 9/11 und was “uns nicht erzählt wurde”.

Das hinterließ einen regelrechten Schock. “Wenn sie uns das vorspielen können, was noch?” Daher fungiert die Verschwörungstheorie um 9/11 wie ein Entry-Point. Ab da ist man so in seinem Weltbild verunsichert, dass man (fast) alles glaubt. Das war damals 2012 oder 2013.

Ab dem Zeitpunkt war ich offen für Daniele Ganser, KenFM, Mausfeld und viele mehr. Die Wut auf “die Medien” nahm zu: “Warum sagen die uns das nicht?” – “Und dafür soll ich GEZ zahlen?” Und plötzlich befindet man sich ganz konkret in der Auseinandersetzung mit Behörden.

Das verunsichert immer weiter, man kommt sich vor wie in einem Film, die Übersicht hatte ich da längst verloren. Denn alles, also wirklich alles, wird hinterfragt, und zu allem findet man etwas, nur einen Klick entfernt. 2014 war der Tiefpunkt, das Leben ein von “gierigen Eliten”

Kopf|fü|ßer  〈m. 3; Zool.〉 Angehöriger einer Klasse von hochentwickelten Mollusken, deren Kopf mit vier od. fünf Paaren von meist saugnapftragenden Armen (Tentakeln) besetzt ist, die zum Ergreifen der Beute, aber auch zur Fortbewegung dienen: Cephalopoda; Sy Zephalopode; ... mehr

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