12.10.1216 Versunkene Kronjuwelen - wissenschaft.de
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12.10.1216

Versunkene Kronjuwelen

Johann I. von England gilt als glückloser König. Als jüngster Sohn König Heinrichs II. und Eleonores von Aquitanien erhielt er schon kurz nach der Geburt den Beinamen „Lackland“ („Ohneland“), denn es gab nichts mehr, was der Vater ihm hätte vermachen können. Der finstere Antiheld späterer Robin-Hood-Verfilmungen verlor den englischen Festlandsbesitz in Frankreich, beschwor den Zorn des Papstes in Form von Kirchenbann und Interdikt auf sich und England herab und geriet in Konflikt mit dem englischen Adel, dem er 1215 zähneknirschend umfassende Freiheitsrechte in der „Magna Carta“ verbriefen musste.

Nur zu gut passt ins Bild des Verlierers, was unter anderem der Chronist Roger von Wendover zum Jahr 1216 berichtet: Auf dem Weg von Lincoln-shire nach Norfolk sei der König erkrankt und habe sich zur Rückkehr entschlossen. Seinen Tross, der unter anderem die Kronjuwelen transportierte, habe er am 12. Oktober am Ufer des Flusses Wash fahren lassen. Das Mündungsgebiet von vier Flüssen war aber nur bei Ebbe sicher zu passieren. Im dichten Nebel fuhren die Pferdekarren prompt zu langsam und wurden von der Flut überrascht. Viele Männer verloren ihr Leben, doch auch die „Schätze, kostbare Gefäße und all die anderen Dinge, die [dem König] besonders wichtig waren“, versanken in den Fluten. Noch im 13. Jahrhundert folgerte man daraus, es seien die Kronjuwelen selbst gewesen, die der König verloren habe: Eine populäre Legende war geboren – ob sie stimmt, wird noch immer diskutiert.

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