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14.05.964

Vom Schlag getroffen

Aus der Lebensgeschichte Papst Johannes‘ XII. lassen sich auch heute noch fabelhafte Skandalgeschichten zimmern. Im harschen Urteil der älteren Geschichtsforschung war der Pontifex ein Mörder, Betrüger, Lüstling und ganz und gar unwürdig, Christus auf dem päpstlichen Stuhl zu vertreten. Der römische Stadtherr Alberich II. von Spoleto hatte seinen illegitimen Sohn 955 auf den Papstthron gehievt; da war dieser noch ein Jugendlicher und hieß Octavian. Als Papst nannte er sich fortan Johannes, an seinem weltlichen Lebensstil indes hielt er offenbar unbekümmert fest.

Als er im November 963 auf einer von Otto I. einberufenen Synode abgesetzt wurde, machte man ihm unter anderem ein Bündnis mit Ottos Gegnern in Italien, bewaffneten Widerstand gegen den Kaiser, aber auch seinen skandalösen Lebenswandel zum Vorwurf. Bischof Liudprand von Cremona, der die An‧klageschrift verlas und als Chronist später einen detaillierten, wenngleich von persönlicher Abneigung gefärbten Bericht über die Ereignisse verfasste, wusste nicht nur die diversen Konkubinen des Pontifex mit Namen zu nennen, sondern schockte die Anwesenden auch mit Berichten über Johannes’ Jagd- und Spielleidenschaft, über Mord, Blendung und gar Teufelsanbetung. Als unwürdig durch die Synode abgesetzt, fand der Expapst schließlich ein denkwürdiges Ende. Am 14. Mai 964 starb er im Bett einer Frau – entweder durch einen Schlaganfall oder infolge eines Hammerstreichs durch deren gehörnten Ehemann.

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