Januar 1708 Vom „Stein der Weisen“ zum „weißen Gold“ - wissenschaft.de
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Januar 1708

Vom „Stein der Weisen“ zum „weißen Gold“

Nie wieder würde er den Mund so voll nehmen. Nachdem er selbst das Gerücht verbreitet hatte, daß ihm die Goldherstellung gelungen sei, war der junge Apothekergeselle und Alchemist Johann Friedrich Böttger im Jahr 1701 in die Gefangenschaft August des Starken geraten. Fortan sollte er unter Aufsicht, aber dennoch „aufs Glimpflichste und Beste tractirt“, für den sächsischen Kurfürsten im Laboratorium Gold herstellen. Einen Wendepunkt in dem aussichtslosen Unterfangen, des Kurfürsten Kassen zu füllen, brachte erst Böttgers Zusammenarbeit mit dem Gelehrten Ehrenfried Walther von Tschirnhaus, dessen Interesse weniger der Goldgewinnung denn der Herstellung von Porzellan galt. Streng wachten noch immer die Chinesen über der geheimen Rezeptur des begehrten Luxusgegenstandes, den die europäischen Fürstenhöfe zu horrenden Preisen aus dem Reich der Mitte importierten. Böttger und von Tschirnhaus forschten fieberhaft nach der genauen Zusammensetzung des Porzellans, bis ihnen 1706 ein erster Durchbruch mit der Herstellung von rotbraunem Steinzeug, dem Böttgerporzellan, gelang. Im Januar 1708 schließlich mischten sie fein zermahlenes weißes Kaolin, Feldspat und Quarz mit ein wenig Wasser und brannten die getrocknete Masse. Zum ersten Mal war damit Europäern die Herstellung von weißem Porzellan geglückt, das zudem härter und haltbarer war als das chinesische Konkurrenzprodukt. August der Starke witterte schnell den Gewinn, den ihm die bahnbrechende Entdeckung einbringen würde, und gründete im Jahr 1710 die erste Porzellanmanufaktur in Meissen. Deren Leitung übernahm Johann Friedrich Böttger, der erst 1713 seine persönliche Freiheit zurückerhielt, nachdem er dem Kurfürsten letztlich doch noch zu „weißem Gold“ verholfen hatte.

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Ka|bel|jau  〈m. 1 od. m. 6; Zool.〉 1,5 m langer u. bis 50 kg schwerer Nutzfisch: Gadus morrhua [<mndrl. cabbeliau; ... mehr

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