7. Februar 1971 Wahlrecht für Schweizerinnen - wissenschaft.de
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7. Februar 1971

Wahlrecht für Schweizerinnen

„Eine Schweizerfrau, aber nie und nimmer ein Wahlweib“ – so hatte ein Politiker aus dem Aargau im Jahr 1919 seine Meinung zur rechtlichen Stellung der Frau formuliert. Bis tief ins 20. Jahrhundert war dies der Grundsatz der meisten Schweizer Männer geblieben, das hatte 1959 die erste eidgenössische Abstimmung bewiesen: 67 Prozent aller Schweizer hatten es damals abgelehnt, den Frauen auf Bundesebene Wahl- und Stimmrecht einzuräumen.
Die Frage, „ob die Frau zum Hausrat oder zum Rathaus“ gehöre, wie es ein „freches Basler Maul an Fastnacht“ einmal ausgedrückt hat, hatte noch einmal die jahrhundertealte Antwort erhalten. Und bei der wäre es wohl auch noch eine Weile geblieben, wenn nicht die große Politik Schwung in die verbreitete Herr-im-Haus-Mentalität gebracht hätte. Die Schweiz war im Jahr 1963 Vollmitglied des Europarats geworden, doch erst 1968 unterzeichnete sie die Europäische Konvention für Menschenrechte (EKMR). Anlaß war das „Jahr der Menschenrechte” gewesen, das die Vereinten Nationen zum 20. Jahrestag der Proklamation der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ ausgerufen hatten. In der allgemeinen Menschenrechtseuphorie wollten nun also auch die Schweizer den Beitritt zur EKMR vornehmen.
Da hatten die Schweizer Männer allerdings die Rechnung ohne ihre Frauen gemacht. Am 1. März 1969 organisierten die Frauenverbände eine Kundgebung auf dem Berner Bundesplatz, bei der Tausende von Frauen und auch einige Männer lautstark forderten, die EKMR dürfe erst unterschrieben werden, wenn das fehlende Frauenstimmrecht eingeführt sei. Die erneute Abstimmung vom 7. Februar 1971 brachte die Zweidrittelmehrheit für das Frauenstimmrecht. Anscheinend also wußten die Schweizer Männer, daß dieser Schritt in die Moderne überfällig war. Doch so mancher Kanton hatte es damit nicht so eilig. Die Abstimmung vom Februar 1971 nämlich bezog sich nur auf bundesweite Belange. Für kommunale und kantonale Angelegenheiten waren eigene Abstimmungen nötig. Und als im Jahr 1990 die Männer in Appenzell-Innerrhoden sich immer noch nicht zu einer solchen durchgerungen hatten, machte das Bundesgericht Schluß mit der letzten reinen Männerdomäne im Herzen Europas.

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