14. Februar 1876 Zwei Anträge auf ein Patent - wissenschaft.de
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14. Februar 1876

Zwei Anträge auf ein Patent

Wer hat nun das Telefon erfunden, Alexander Graham Bell oder Elisha Gray? Beide reichten an jenem Wintertag in Washington ihren Antrag auf Erteilung eines Patents für „ihre Erfindung“ ein. Nur einem von ihnen konnte knapp einen Monat später das „United States Patent No. 174,465“ zugesprochen werden – das Amt entschied sich für Bell.
Die Idee hinter den beiden Anträgen war dieselbe: Eine menschliche Stimme brachte eine Membran an einem Apparat ins Schwingen. Dicht hinter dieser Membran sollte eine elektromagnetische Spule diese Schwingungen in elektrischen Strom von unterschiedlicher Stärke umwandeln. Eine Leitung aus Draht gab diese Stromstöße weiter an den Empfängerapparat, in dem die beschriebene Umsetzung von Schallwellen in Stromschwankungen wieder „rückgängig“ gemacht wurde. Die Membran im Empfänger sollte die am anderen Ende der Leitung gesprochenen Worte deutlich hörbar machen.
Sollte: Denn weder Gray noch Bell hatten bei Patenteinreichung einen funktionstüchtigen Prototypen parat – Grays Antrag fehlten sogar die Zeichnungen und ausführlichen Beschreibungen, wohl ein Grund für die Richter, dem Bostoner Taubstummen-Lehrer Bell die Rechte an der Erfindung zuzusprechen.
Jedenfalls wurde der erste funktionierende Fernsprecher ebenfalls von Bell gebaut. Kaum zwei Tage nach seiner Rückkehr aus Washington ereignete sich am 9. März die legendäre Szene mit Thomas A. Watson, Bells Assistenten: „Ich rief in das Mundstück: ‚Mr. Watson, kommen Sie einmal her, ich brauche Sie!’” berichtet Bell in seinem Labortagebuch und fährt fort: „Zu meiner großen Freude kam er tatsächlich und erklärte, er habe jedes Wort, das ich gesprochen hatte, gehört und verstanden.“ Innerhalb eines Jahres gelang es Bell, aus seiner Erfindung ein marktfähiges Produkt und viel Geld zu machen. Nur Gray wollte sich so schnell nicht geschlagen geben. Doch auch ein zehn Jahre währender Rechtsstreit endete mit einer Bestätigung der Entscheidung vom März 1876. Nur wer wirklich als erster auf die Idee gekommen war, das wird sich wohl nicht mehr klären lassen, denn, um die Sache vollends zu verwirren: Auch der deutsche Lehrer Johann Philipp Reis hatte bereits 1860 einen derartigen Apparat gebaut, von dem Bell und Gray auch wußten. Verständliches hatte dieses „Telefon“ allerdings noch nicht übermittelt.

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