Azteken -Die Aufsteiger - wissenschaft.de
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Azteken -Die Aufsteiger

Die Krieger der Azteken hatten nur eine Aufgabe: Feinde gefangenzunehmen als Opfer für die Götter. Der Staat hatte allein ein Ziel: Luxus und Macht der herrschenden Schicht zu mehren. Die Elite übte sich in Philosophie, die Priester rissen Herzen aus lebendigen Leibern. Die letzten Widersacher der spanischen Eroberer waren sehr widersprüchlich. Das fördert Mythen – positive wie negative.

Ihren Marsch zur Macht begannen sie im „Jahr 1 Feuerstein“. Ihre Hauptstadt Tenochtitlan gründeten sie, als sich ein Adler auf einem Kaktus niederließ. Ihr Untergang wurde besiegelt, als Hernán Cortés sie am 13. August 1521 besiegte.

Dazwischen liegen der Aufstieg einer bäuerlichen Wandertruppe zur schillerndsten Hochkultur Mexikos und der Fall einer imperialen Macht mit hauptsächlich blutrünstigem Image ins Bodenlose der kolonialen Unterdrückung – die Azteken.

Genau 300 Jahre nach der Eroberung, 1821, schüttelten die Mexikaner die spanische Fremdherrschaft ab. Heute verstehen sie sich als direkte Nachfahren der Azteken. Sie treten damit das Erbe eines Volkes mit höchst widersprüchlichen Wesenszügen an: Bei der Inthronisation eines neuen Herrschers vor 600 Jahren etwa gab es ein rauschendes Fest, zu dem auch die benachbarten Feinde eingeladen waren. Es wurden feinsinnige Gedichte vorgetragen und elegische Lieder gesungen – und nebenan schnitten Priester Kriegsgefangenen bei lebendigem Leib das Herz aus der Brust.

Vor allem derlei scheinbar grausame Charaktereigenschaften prägen das Bild der Azteken. „Und es würde aller Wahrheit widersprechen, diese blutigen Opferrituale zu leugnen“, bezieht Hanns J. Prem gegen jene Schönfärber Stellung, die die Ur-Mexikaner zu „edlen Wilden“ stilisieren möchten. Doch der emeritierte Altamerikanist an der Universität Bonn will die Azteken aus der geschichtlichen Schmuddelecke herausholen. Für eine differenzierte Betrachtung bieten Archäologie und schriftliche Quellen ebenso wie Mythen und die Zeugnisse der Nachbarn Ansatzpunkte genug. Ein moralisierender eurozentrischer Blick ist dabei hinderlich.

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Als der spanische Kriegsherr Hernán Cortés nach etlichen Ränken und Rückschlägen die aztekische Hauptstadt Tenochtitlan eroberte, zerstörte er ein imperialistisches Staatswesen, das seit 91 Jahren weite Teile des heutigen Zentralmexikos vom Pazifik bis zum Golf von Mexiko beherrschte.

Ein „Azteken-Reich“ gab es dennoch nicht. Im Gegensatz zu den etwa zeitgleichen Inka in Südamerika „haben die Azteken die umliegenden Länder erobert, eingeschüchtert und militärisch bedroht, aber nicht dauerhaft besetzt und verwaltet“, präzisiert Prof. Wolfgang Wurster. „Es gab Enklaven, die nie erobert wurden. Die Azteken waren nur erpicht auf Vasallen und Nachbarn, die reichlich Tribut lieferten“, so der Altamerika-Spezialist des Deutschen Archäologischen Instituts weiter. Völkerkunde-Professor Prem sekundiert: „Es gab kein klar umrissenes Territorium, kein Staatsvolk, keine einheitliche Rechtsordnung. Und es ist kein aztekisches Wort oder Name für das Reich bekannt.“

Die Tributleistungen waren für die einzelnen unterjochten Regionen modifiziert, jede musste ihre Spezialitäten liefern: Gemüse, Holz, Obst, Kakao, Jaguarfelle, Stoffe – auch Jade und Quetzalfedern, die beide höher im Kurs standen als Gold. Wurde nicht geliefert, rückten die Aztekenkrieger aus.

Die waren eine Kaste für sich in der streng gestaffelten aztekischen Gesellschaft. Sie hatten eigene Versammlungshäuser mit riesigen Säulenhallen gleich neben dem großen Tempel. Der Kriegsdienst war, zumindest zu Beginn der aztekischen Geschichte, der einzige Weg, sozial aufzusteigen. Es gab kein stehendes Heer – wie bei den Inka –, sondern einen adligen Krieger-Kader, der bei Bedarf, also des öfteren, aus der Bevölkerung aufgefüllt wurde.

Die Berichte über Feldzüge mit Zigtausenden von Bewaffneten hält Prem für maßlos übertrieben und macht eine simple Rechnung auf: „Breite Straßen gab es nicht, nur Pfade, auf denen man hintereinander gehen musste. Um sich nicht auf die Zehen zu treten, musste man einen Abstand von zwei Metern halten. Folglich passten auf einen Kilometer 500 Krieger. Eine Marschkolonne schafft in unangenehmem Gelände ungefähr drei Kilometer in der Stunde. Das heißt, der Durchsatz dieses Weges beträgt 1500 Leute pro Stunde – da kann man nicht sehr viele Krieger durchschleusen. Und: Um am Abend anzukommen, durfte niemand später als mittags losgehen.“

Auch die Nachrichten von 80000 Gefangenen auf dem Marsch zu den hauptstädtischen Opferplätzen hält Prem für unsinnig und bestenfalls für einen Verständigungs- und/oder Rechenfehler: „ Vermutlich muss man das Ganze durch 20 dividieren.“ Meist aber, so der Bonner Emeritus, handelte es sich wohl um Kleinkriege mit 50 Mann und einem Dutzend Gefangenen. Deren Schicksal war vorgezeichnet. Ihnen drohte nicht Sklaverei oder Fronarbeit, sie waren einzig und allein dazu bestimmt, mit ihrem Blut dafür zu sorgen, dass „die Sonne nicht stehen bleibt“ (Wurster). Viermal war die Welt schon untergegangen, die Azteken wähnten sich „in der fünften Sonne“ – der letzten. „Die Idee, dass man mit menschlichem Blut der Welt beim Weiterbestehen helfen muss“, weiß Wolfgang Wurster, „zieht sich durch alle mesoamerikanischen Kulturen. Bei den Azteken hat sich das zu einer Obsession ausgewachsen.“ Aber eines ist für den Altamerikanisten sicher: „ Das hatte nichts mit Grausamkeit zu tun, das diente der Religion. In Europa brannten zur gleichen Zeit mit ähnlicher Begründung die Scheiterhaufen unter den Hexen.“

Hanns Prem verneint ebenfalls wüste Orgien mit Menschenopfern bei den Azteken: „Blutopfer – auch an sich selbst – waren in den mesoamerikanischen Religionen Standard, daran führt nichts vorbei.“ Aber: „Die Opferzahlen waren sehr viel geringer.“ Prem: „ Ich bin sicher, dass die Zahl der in Tenochtitlan geopferten Menschen pro Jahr deutlich unter 1000 gelegen hat.“

Empfänger des Blutes waren vor allem die beiden aztekischen Hauptgötter: Huitzilopochtli, der Kriegs- und Sonnengott, und der Regengott Tlaloc, der speziell bei Dürre Kinderopfer verlangte. Den beiden waren die buntbemalten Tempel in 45 Meter Höhe auf der großen Doppelpyramide in Tenochtitlan geweiht. Dort oben vollzog sich das grausige Blutritual. Die entherzten Leiber wurden die Treppen hinabgestoßen. Die spanischen Eroberer berichten von unerträglichem Gestank.

Neben den beiden Himmelsoberhäuptern tummelten sich im aztekischen Pantheon so viele Götter unterschiedlichen Ranges, dass die Azteken wohl selbst nicht mehr ganz durchgeblickt haben. Zumal sie den Himmlischen aller besiegten Länder einen Schrein in ihrer Hauptstadt errichteten und vielen ihrer eigenen Überirdischen Charakterzüge der Fremd-Götter aufluden. Die Schöpfungsmythen sind entsprechend verschwommen. Aber ein Gedanke zieht sich durch: Die aztekischen Götter sind der kosmischen Ordnung ebenso unterworfen wie die Menschen, auch sie können den Fortbestand der Welt nur durch Selbstopferung sichern.

Oder durch Ritualmord an einem anderen Gott: Huitzilopochtli, der Sonnengott, zerstückelte gleich nach seiner Geburt seine Schwester und Widersacherin Coyolxauhqui, die Mondgöttin – nur der Tod ermöglicht das Leben. Darin drückt sich das streng dualistische Denken der mesoamerikanischen Kulturen aus: Alles Seiende besteht aus dem ausgewogenen Gegensatz zweier „Substanzen“ : Tag+Nacht, heiß+kalt, Stärke+ Schwäche, hell+dunkel und eben Leben+Tod.

Huitzilopochtli war es auch gewesen, der den Azteken in mythischer Zeit befohlen hatte, ihre angestammte Heimat in „ Aztlan“, irgendwo im nebelhaften Norden, zu verlassen und sich ein neues Land zu suchen. Er werde ihnen am Ziel ein Zeichen geben. Rund 200 Jahre dauerte die – heute kaum mehr nachvollziehbare – heilsgeschichtliche Wanderung, an der zunächst noch acht andere Gruppen teilnahmen. Doch bald trennten sich die Azteken, auf Geheiß ihres Stammesgottes, von den Mitziehenden und wanderten allein weiter. So wurde – auch hier – der Nimbus des „ auserwählten Volkes“ kreiert.

Später als die anderen Wanderer kamen die Huitzilopochtli-Jünger am Ende des 13. Jahrhunderts im Hochlandbecken rund um die heutige Metropole Mexikostadt an. Die besten Plätze waren besetzt, und die Nachzügler wurden nicht mit offenen Armen empfangen. Zwischenzeitlich, so berichtet eine Chronik, hatte Huitzilopochtli seinem Volk einen neuen Namen verliehen: „Ihr sollt nicht länger Azteken heißen“, sprach er, „ von nun an tragt ihr den Namen Mexica.“

Nach einigem – eher mythischen denn historisch nachvollziehbaren – Hin und Her gründeten die Azteken auf Schilfinseln im Westteil des Tetzcoco-Sees ihre Hauptstadt Tenochtitlan – dort, wo ein majestätischer Adler seinen Horst auf einem Kaktus gebaut hatte. Es wird mehr eine Ansammlung von Hütten und künstlichen Feldern gewesen sein als die Zentrale einer Großmacht. Denn noch waren die Azteken-Mexica ein schwaches Licht unter den etablierten Kleinkönigtümern.

Denen dienten die aggressiven Azteken als Söldner und führten für verschiedene Herrscher – aber auch auf eigene Rechnung – etliche Eroberungszüge rund um den See durch. Dabei, so Azteken-Kenner Prem, „erwarben die Krieger Erfahrung, die Herrscher Beutegut und vor allem das Volk Selbstbewusstsein.“ Von 1428 bis 1430 schmiedete das aztekische Tenochtitlan mit den benachbarten Städten Tetzcoco und Tlacopan einen Dreierbund. Damit begann die imperialistische Expansion über Mexiko. Ab 1430 ging es stetig aufwärts: Ständige Kriegszüge brachten gewaltige Beute, der Reichtum und die Bevölkerung wuchsen, die Kultur blühte auf, der Handel expandierte – in welcher Reihenfolge auch immer. Das Triumvirat hielt, zumindest pro forma, bis zur Eroberung durch Cortés 1521. Primus inter Pares war Tenochtitlan.

Besonders den letzten Herrscher von Tenochtitlan Motecuzoma II. – bei uns falsch, aber besser bekannt als Montezuma – umgab eine Aura der Unberührbarkeit, niemand durfte ihm in die Augen sehen. Er war Herr über Leben und Tod, oberster Priester, Mittler zu den Göttern und damit mitverantwortlich für den Fortgang der Sonne. Trotz dieser Machtfülle war der König in vielen Dingen – speziell bei seinem Amtsantritt – auf die Zustimmung des Adels angewiesen. Es gab einen Obersten Gerichtshof, einen Musik- und einen Kriegsrat. Dem Rat für Kunst und Wissenschaft waren die Heerscharen von Priestern und Priesterinnen unterstellt. Ein Rat für Staatsschatz und Tribut wachte über der ökonomischen Prosperität des Landes.

Zur Inthronisation eines neuen aztekisch-mexicanischen Herrschers wurden, so Hanns Prem, „auch die Feinde eingeladen. Die mussten kommen, denn erst ihre Anwesenheit – quasi als Notare – legitimierte den neuen König.“ Die Feinde kamen heimlich des nachts, wurden mit großartigen Geschenken überhäuft, nahmen hinter einem Vorhang an der Zeremonie teil und zogen auch nächtens wieder ab. Die gemeinen Azteken sollten es nicht merken. „Die hätten diese ebenso groteske wie großartige zweischichtige Politik ja auch kaum verstanden“, resümiert Prem diese aztekische Machtideologie.

Der Herrscher stützte sich innenpolitisch auf eine hydraköpfige Funktionärsschicht, die dem Erbadel vorbehalten war: Tribut- und Steuereintreiber, Offiziere, Richter und Provinzgouverneure.

Aus dem niederen Adel kamen die kleinen Verwaltungsbeamten, Schreiber und Lehrer. Sie unterrichteten die adligen Jungen in Lesen, Schreiben, Mythologie, Kalenderkunde, Geschichte und Kriegswesen. Grundlage der Kindererziehung, bei Gemeinen wie Adligen, waren die Tugenden eines vorbildhaften Lebens: Gehorsam, Ehrlichkeit, Respekt, Mäßigung. Wer dem später nicht entsprach, wurde gezüchtigt, wobei die Strafen für adlige Missetäter härter ausfielen. Die Frauen spielten in der aztekischen Gesellschaft keine herausragende Rolle, sie waren für den engen Bereich des Hauses zuständig. Handwerker, und vor allem Kunsthandwerker, konnten zu Wohlstand und Ansehen gelangen. Der gemeine Mann hatte zu arbeiten.

Grundlage der Gesellschaft waren üppige Agrarüberschüsse aus einer raffinierten Intensivlandwirtschaft. Im seichten Uferbereich der zahlreichen Seen wurden Chinampas – künstliche Inseln aus Schlamm- und Vegetationsschichten, getragen von Pfählen und Wurzeln – für den Anbau von Mais, Kürbissen, Tomaten und Bohnen angelegt. In den Bergen terrassierten die Azteken-Mexica ganze Hänge für den Anbau, Bewässerungssysteme sorgten für das notwendige Nass. Im Landesinneren wurden Kaninchen und Hirsche gejagt, an den Seen und Küsten kamen Wassertiere und -vögel hinzu. Als verzehrbare Haustiere wurden Hunde und Truthähne gehalten. Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine kamen erst mit den Spaniern ins Land.

Das Warenangebot auf den Märkten war beeindruckend, die Spanier kamen aus dem Staunen nicht heraus: So etwas hatten sie noch nie gesehen. Cortés berichtet von einem Markt mit 60000 Händlern. Wobei die Anbieter meist zugleich Käufer waren, denn es ging um Tauschhandel: Baumwollkleidung gegen Kakao, Nutzholz gegen Kochgeschirr, Gemüse gegen Heilmittel. Angeboten wurde aber auch der pure Luxus in Form von tropischen Vogelfedern und Jadeschmuck.

Eine „Währung“ des aztekischen Marktes war die Kakaobohne: In der frühen Kolonialzeit bekam man für eine Bohne eine Tomate, für 30 Kerne ein Kaninchen. Dieses Wechselgeld war immerhin so wertvoll, dass Falschmünzer ihr Unwesen trieben – sie puhlten den heiß begehrten Kakaokern aus der Schale und füllten die Hülle mit Sand.

Neben dem Reichtum auf den Märkten und dem Glanz des Herrschers beeindruckte die Spanier die aztekische Hauptstadt Tenochtitlan. Auf schwankendem Boden gebaut, durch Zigtausende Pfosten gegen das Versinken gesichert, durch prachtvolle Straßen und unzählige Kanäle gegliedert, bot die Stadt im See einen überwältigenden Anblick. Vor allem der Tempelbezirk (600 mal 600 Meter) mit der mächtigen, in 150 Jahren siebenfach überbauten Doppelpyramide zog die Blicke auf sich. 150000 bis 250000 Menschen sollen in der Stadt gelebt und gearbeitet haben.

Dies war unübersehbar das religiöse und politische Zentrum einer Kultur, die den Spaniern trotz über zwanzigjähriger Amerika-Erfahrung unheimlich blieb. Die Eroberer hatten allerdings auch anderes vor, als Geschichte und Kultur ihres Gegners zu studieren oder vorbehaltslos zu verstehen. Die Bilderhandschriften, die offenbar ganze Bibliotheken füllten, verbrannten sie, den großen Tempel sprengten sie in die Luft. Ihre eigenen absichtsvollen Berichte sind deshalb nur ein Zeugnis für die Zivilisation Mesoamerikas vor etwas über 500 Jahren.

Ein Kenner der aztekischen Kultur nennt Tenochtitlan „das Hauptzentrum der Imitation“. Das hört sich negativ an, ist es aber nicht. In der Tat bedienten sich die mexicanischen Künstler aus allen kreativen Töpfen der ihnen bekannten Völker und Kulturen – nicht als bloße Nachbildung, sondern um in Verbindung mit eigenen Traditionen Neues zu schaffen. Ein junges, unruhiges Volk als Schmelztiegel der Kulturen Mesoamerikas – wie es Anatolien für Europa war. Dieser „Synkretismus“ war zwar, so Altamerikanist Wolfgang Wurster, „für alle mexikanischen Kulturen bezeichnend. Aber die Azteken haben ihn perfektioniert.“ Sie übernahmen neben den Vasallengöttern Bewährtes, etwa die Speerschleudern der untergegangenen Tolteken. Und sie ehrten Heiliges in ihrem Haupttempel, etwa steinerne Masken aus Teotihuacan, das 800 Jahre vor ihnen eine sakrale und mächtige Stadt gewesen war.

Eines aber übernahmen sie nicht – die Schrift. Das bleibt bis heute unverständlich. Denn die Olmeken am Golf von Mexiko hatten bereits 2000 Jahre zuvor ein ausgefeiltes Kommunikationssystem entwickelt (siehe Beitrag „Die Olmeken“). Und die Maya in Yucatan und Guatemala verfassten ihre Nachrichten sieben Jahrhunderte vor ihnen in einer phonetisch lesbaren Silbenschrift. Die Mexica – und ihre zeitgenössischen Nachbarn – kamen über eine Bilderschrift nicht hinaus. Hanns Prem: „Die Azteken-Schrift war nicht gerade grandios.“ Gemalte Fußstapfen standen für die mythologische Wanderung, ein gezeichnetes Haus war ein Haus. Das war alles.

Was wichtig erschien, wurde mündlich weitergegeben. Solches Wissen wurde schon kurz nach der Eroberung und dem Zusammenbruch der traditionellen sozialen Infrastruktur vergessen. Von den aztekischen Bilderbüchern der vorspanischen Zeit ist nicht ein Einziges erhalten. Die Bemühungen der Spanier, christlich-europäisches Gedankengut aufzupfropfen, beschleunigten den Prozess. Bis heute übrig geblieben sind die Berichte, die sehr viel später verfasst wurden, von den Eroberern und von den Besiegten. Beide verfolgten damit bestimmte Absichten – die neuen Mythen entstanden.

Kompakt

Das Azteken-Reich existierte nur 91 Jahre.

Die als blutrünstig verschrieenen Gegenspieler der spanischen Eroberer pflegten Lyrik und Gesang.

Die Azteken übernahmen zahllose Kulturgüter von ihren Vorläufern.

Michael Zick

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