Die Sicht der Weltreligionen - wissenschaft.de
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Die Sicht der Weltreligionen

Für die christliche Kirche beginnt das Leben mit der Verschmelzung von Ei und Samenzelle und der dabei stattfindenden Simultanbeseelung. Ab diesem Zeitpunkt hat das Leben absolute Schutzwürdigkeit, sodass weder Abtreibung noch Embryonenforschung moralisch legitim sind. Dies ist jedoch eine historisch vergleichsweise neue Haltung: Bis 1869 vertrat die katholische Kirche in Anlehnung an Aristoteles und später Thomas von Aquin die Ansicht der Sukzessiv-Beseelung, wonach der männliche Embryo nach 40 Tagen, der weibliche nach 80 Tagen beseelt wird, Abtreibung wäre demnach vorher erlaubt.

Jüdischen Gelehrten zufolge tritt die Beseelung eines Embryos 40 Tage nach der Befruchtung ein. Bis dahin gilt der Embryo nicht als vollwertiger Mensch, weshalb die Forschung an überzähligen Embryonen aus In-vitro-Fertilisationen in Israel praktiziert wird. Auch PID ist in Israel erlaubt, doch Schwangerschaftsabbrüche werden zumindest von orthodoxen Juden abgelehnt.

Im Islam gilt der Embryo ab dem 120. Tag als beseelt. Vorher passiert er mehrere 40-tägige Entwicklungsstufen: Zuerst das Tropfen-Stadium nutfa, dann das Blut-Stadium ‚alaqa und anschließend das Stadium des „Fleischklümpchens“, mudga. Vor der Beseelung sind Schwangerschaftsabbruch und auch die Forschung an Embryonen theoretisch erlaubt. Weil es aber keine zentrale religiöse Instanz gibt, herrschen viele unterschiedliche Auffassungen über die konkrete Handhabung. Die Rechtsprechung in islamischen Ländern ist oft restriktiv.

Im Buddhismus beginnt das Leben eines Individuums mit der Empfängnis. Abtreibung ist bei vielen Gläubigen verpönt, selbst wenn der Fötus durch eine Vergewaltigung entstanden ist: Auch ein Gewaltakt, so wird argumentiert, rechtfertige keine Gewalt gegen ein anderes Individuum. Zudem gilt der Schutz allen Lebens als zentrale ethische Grundhaltung des Buddhismus. Mit diesem Argument hat die Deutsche Buddhistische Union 2001 in einer Stellungnahme auch ihre Ablehnung gegenüber verbrauchender Embryonenforschung sowie PID begründet.

Im Hinduismus beginnt das menschliche Leben mit der Empfängnis. Anders als etwa im Christentum ist das Leben jedoch kein besonders hohes Gut, weil es nicht als einmalig gilt, sondern zum Kreislauf der Wiedergeburt gehört. Abtreibung wird kritisiert – jedoch nicht unbedingt, weil der Fötus sterben muss, sondern weil derjenige, der die Abtreibung vornimmt, aus ungerechtfertigten Motiven handeln könnte. Die Zerstörung eines Embryos ist unter Umständen erlaubt, wenn sie einem höheren Wohl dient. Dies erklärte der Geistliche Swami Tyagananda 2004 dem Fachmagazin „nature“.

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Mu|sette|or|ches|ter  〈[myztrks–] n. 13; Mus.〉 in Frankreich entstandenes, kleines Orchester ohne Streicher, das bes. Tanz– u. Unterhaltungsmusik spielt

In|kar|nat|klee  〈m. 6; unz.; Bot.〉 blutrot blühende Kleeart, wertvolle Futterpflanze: Trifolium incarnatum

koh|len|sau|er  〈Adj.; Chem.〉 den Säurerest der Kohlensäure enthaltend (Kalk, Natriumkarbonat)

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