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Gegen die Diktatur der Gene: „Darwins gefährliche Erben“ von Steven Rose

Als der Abt Gregor Mendel seine revolutionären Kreuzungsexperimente machte, hatte er wohl nur eines im Sinn: die Evolutionstheorie zu widerlegen. Die Grundeinheiten der Vererbung, auf die er dann stieß, hielt er fälschlich für unveränderliche Teilchen, von denen jedes für die Ausprägung eines einzigen Merkmals zuständig sein sollte.

Heute gibt es Biologen, die alles auf das Wirken bestimmter Gene zurückführen – von Gewalttätigkeit und Drogensucht bis hin zu Homosexualität und politische Gesinnung. Der englische Neurobiologe Steven Rose macht hierfür eine Ideologie des Reduktionismus und Ultra-Darwinismus verantwortlich. Für ihren rigorosesten Verfechter hält er Richard Dawkins: „Johannes der Täufer der Soziobiologie“.

In Dawkins‘ Soziobiologie dreht sich alles um das isolierte, „ egoistische“ Gen: der Organismus als Überlebensmaschine, die dazu dient, die Reproduktion der Gene zu gewährleisten. In allem, was er ist und tut, zeigt sich, daß er der Diktatur der Gene unterworfen ist.

Für Steven Rose hingegen ist nicht das Gen, sondern der Organismus die elementare Einheit des Lebens. Und für den Organismus ist charakteristisch, daß er permanent auf seine Umgebung einwirkt, sich dadurch selbst formt und verändert. Dabei lassen ihm seine Gene durchaus einen Freiheitsspielraum. Den gesteht Dawkins nur dem Menschen zu. Er beruft sich dabei auf eine Metaphysik des freien Willens, die jedoch nach Auffassung von Rose in der Biologie nichts zu suchen hat.

Steven Rose DARWINS GEFÄHRLICHE ERBEN Biologie jenseits der egoistischen Gene C.H. Beck, München 2000, 363 S., DM 49,80

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Frank Ufen / Steven Rose

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