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Gen-Mais tötet Schmetterlinge

Raupen des harmlosen Monarchschmetterlings starben, nachdem sie Pollen von gentechnisch verändertem Mais zu sich genommen hatten. Wissenschaftler streiten über die Aussagekraft dieses Laborversuchs.

Den Stein ins Rollen brachte der Insektenkundler John Losey von der Cornell Universität in Ithaka, New York. Er bestäubte Blätter der Gänsedistel, der Lieblingsspeise von Monarchschmetterlingsraupen, mit Pollen von gentechnisch verändertem Mais. Nachdem die Raupen davon gefressen hatten, war innerhalb von vier Tagen fast die Hälfte von ihnen tot. In einer Kontrollgruppe lebten dagegen alle Raupen weiter. Sie hatten sich von pollenlosen Blättern ernährt.

Losey verwendete Mais, in dessen Erbgut ein Gen der Mikrobe Bacillus thuringiensis (Bt) eingesetzt worden war. Der Mais produzierte deshalb ein Protein, das für seinen ärgsten Feind, die Maiszünsler-Raupe, tödlich ist (bild der wissenschaft 6/1999, „DNA aus USA“). „Der Bauer, der Bt-Mais sät, braucht sich nicht mehr um den Zünslerbefall zu kümmern – seine Pflanzen schützen sich selber“, wirbt Herstellerfirma Novartis. Nach Angaben des Unternehmens könnte Bt-Mais den Ernteverlust durch das Schadinsekt allein in den USA um 15 Millionen Tonnen verringern.

Monarchschmetterlinge verbringen den Sommer im Mittleren Westen der USA, der wegen seines intensiven Maisanbaus Corn Belt (Maisgürtel) genannt wird. Dort ernähren sie sich von Gänsedisteln, nicht von Mais. Die Gänsedisteln wachsen aber um die Maisfelder herum, so daß vom Winde verwehte Pollen von gentechnisch verändertem Mais sich auf ihnen ablagern könnten. John Losey selbst warnt vor übereilten Reaktionen auf sein Experiment: „Inwieweit der Gen-Mais für freilebende Monarchen und andere Schmetterlinge eine Gefahr darstellt, muß noch untersucht werden.“

Wolfgang Nellen, Professor für Genetik an der Universität Kassel, hält es für nicht entscheidend, ob das in Maispollen produzierte Bt-Protein für eine bestimmte Schmetterlingsart giftig ist oder nicht. Für die Abschätzung der vom Gen-Mais ausgehenden Bedrohung sei es wichtig zu wissen, ob die Schmetterlingsart in der freien Natur im Laufe ihres Lebens überhaupt mit dem giftigen Protein in Berührung kommt. „Loseys Versuchsbedingungen beschreiben die fiktive Situation, daß alle Monarchfalterweibchen ihre Eier ausschließlich auf Wirtspflanzen ablegen, die sich innerhalb eines gerade blühenden Bt-Maisfelds befinden und mit einer dicken Schicht Bt-Pollen bedeckt sind“, sagt Nellen.

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Der Kasseler Experte weist zudem darauf hin, daß im ökologischen Landbau seit Jahren Schädlinge mit natürlichen Insektiziden bekämpft werden – ohne schwerwiegende Folgen für harmlose Falter: „Diese Mittel enthalten wie die Pollen des genetisch veränderten Maises das Gift des Bacillus thuringiensis, denn es ist spezifischer und ungefährlicher als andere Pflanzenschutzmittel.“

Insektenkundler Wolfgang Nässig vom Senckenbergzentrum für Biodiversitätforschung ist wie Losey und Nellen überzeugt, daß die Gefährlichkeit von genetisch verändertem Mais auf Insekten weiter erforscht werden muß. Er befürchtet aber, daß das Ergebnis des amerikanischen Experimentes auf einige europäische Falter übertragbar ist.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat eine Liste von 140 europäischen Schmetterlingsarten veröffentlicht, die sie durch Bt-Mais bedroht sieht. Inzwischen haben sich die Umweltminister der Europäischen Union geeinigt, vorerst keine weiteren Zulassungen für genetisch veränderte Pflanzen zu erteilen.

Claudia Borchard-Tuch

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